Weiteres: Geb. 13.11.1938 in 1200 Wien, Brigittaspital
Aufgewachsen im Elternhaus in 1190 Wien, Paul Ehrlichgasse 7.
Als wohlbehütete Erstgeborene war sie das ganze Glück unserer Mutter und der Stolz unseres Vaters, da sie optisch mit ihren schwarzen Haaren, eher dunklen Augen und ihrem Temperament eher in seine Familie tendierte.
April 1940 Geburt von Schwester Lore
Oktober 1941 Geburt von Schwester Hannah
Ende Juli 1944 Übersiedelung ins Waldviertel ins Beamtenhaus neben dem Hartl Werk in Echsenbach, wo wir eine kleine Wohnung mit Zimmer, 1 Wohnküche, Vorraum, WC zur Verfügung hatten. Das Kabinett wurde weiter von der Sekretärin, die uns die Wohnung überlassen hat, als Schlafstelle genützt.
Im Herbst 1944 begann für Elisabeth der Ernst des Lebens, sie musste 2 km zu Fuß vom Werk bis in die Volksschule in Echsenbach. Sie wurde die erste Zeit von unserer Mutter begleitet, die aber ihre vierte Tochter erwartete und dadurch als Begleitperson bald ausfiel. Ein Bub (7 Jahre) ging aber den gleichen Weg, da er auch im Beamtenhaus wohnte.
Dezember 1944, Geburt von Schwester Hedi.
1945 fiel ab März die Schule bald ganz aus, was weiter nichts ausmachte, da wir von unseren Eltern mit Zeichnen, Geschichtenerzählen, Gedichte Auswendiglernen, singen, turnen recht gut beschäftigt wurden.
Im Herbst 1945 ging es weiter mit der Schule und im Mai 1946 übersiedelten wir in ein Hartl Fertigteilhaus im Steingraben in Echsenbach mit einem herrlichen Garten mit einem Stück Wald, einem kleinen Teich, einem Bach; einer großen Wiese und einem Gemüsegarten.
Nun war der Schulweg einfacher und unser Freiraum im Dorf größer. Elisabeth war den ganzen Tag draußen, sie berichtete dann aufgeregt was sie im Dorf, in der Schule, oder mit anderen Kindern angestellt und erlebt hatte. Sie wurde von unserer Mutter, die viel weniger Kontakt mit den Menschen außerhalb ihres Hauses hatte, dazu bewusst oder unbewusst animiert zu berichten und zu unterhalten.
Nach der Übersiedelung in unser Wiener Haus im 19. Bezirk, ging Elisabeth ab September 1946 für 2 Jahre (3. + 4. Klasse) nach Grinzing in die öffentliche VHS. Elisabeth musste die Aufnahmeprüfung in das Mädchen-Gymnasium in der Billrothstraße machen. Dorthin ging sie ab September 1948. Sie konnte nun mit der Schülerkarte die Straßenbahn zwischen Grinzing u. Nußdorfergürtel benutzen. Sie fuhr aber oft ohne Ausweis, weil sie ihn vergessen hatte, oder wenn sie mit ihrer Freundin Anny Zak eine angebetete Lehrerin noch über die gestattete Grenze hinaus verfolgte.
Sie hatte maßvolle Schulerfolge; Zeichnen und Deutsch waren ihre Stärke, Mathematik, Latein, Französisch waren weniger gut, weil sie keinen Spaß am Lernen der Vokabel hatte. Sie wollte außerdem im Sommer immer in Baden und nicht in Echsenbach sein, wo sie von T. Lilly Nachhilfe bekam und den übrigen Tag mit ihren Cousins in Baden Unfug treiben konnte. Erst als in der 7. Klasse die Nachhilfe in Wien erteilt wurde und sie bei einer unverheirateten alten Tante wohnen musste, war sie sofort positiv in der Schule und legte im Juni 1956 erfolgreich die Matura ab.
Sie hatte eine besonders gute Zeichenlehrerin, Fr. Prof. Höller, die mit ihr eine Mappe mit Zeichnungen zusammenstellte, mit der sie sich an der Bildnerischen Akademie (1. Bezirk, Schillerplatz) zur Aufnahmeprüfung anmeldete.
Diplomstudium u. Lehramtsstudium an der Akademie unter Clemens Holzmeister als Rektor und Französisch Lehramt an der Uni.
1956 Akademiestudium: als außerordentliche Hörerin, später ordentliche Studentin, von Prof. Elsner bei Aufnahmeprüfung aufgenommen; nach ca. 2 Jahren wechselt sie zu Prof. Martin, wo Max Melcher (Nachkriegsgeschichten wie aus dem Film der 3. Mann und sehr trinkfest!) ihr Mentor war, Abendakt bei Prof. Böckl.
Die Malerfeste bei der Exfrau von Prof. Matejka (ehemaliger Kulturstadtrat der 2. Republik) im Schrebergarten Atelier in Perchtoldsdorf, Prof. in Kunstschule, gefielen ihr sehr.
1957 circa Beginn der Beziehung zu Robert Scherer
1958-1959: Auslandsjahr in Frankreich, wo sie Deutsch unterrichtete; an dessen Ende eine Bretagne Reise mit Lore stand
Mai 1960 Hochzeit mit Robert
Oktober 1960 Geburt der Tochter Anna
Nach der Geburt wohnhaft in Wien 1., Seilerstätte und im Elternhaus in Wien –
Ab 1960/61 war Robert in Südtirol, während Elisabeth + Anna in Grinzing wohnten. 1961 ganz in Südtirol wohnhaft in der Wasserkuranstalt Dr. Guggenberg, wo Robert eine Wohnung gemietet hatte. Anna blieb in Wien im Haus der Eltern und Schwestern.
Herbst 1961 beginnt der Unterricht in Kunsterziehung in Brixen
März 1962 Geburt des Sohnes Markus
Diplom an der Akademie und in Französisch
März 1963 Fahrt von Anna nach Brixen, endgültige Übersiedelung
Mai 1963 Fahrt von Elisabeth + Anna nach Triest; Beginn des Hausbaus in Milland bei Brixen
1965 Kinder im italienischen Kindergarten, 1966 Beginn der Volksschule für Anna in Brixen
Kunstkritikenschreiben in Brixen für Robert begonnen, später auch für andere Künstler (Hans Plank, Markus Valazza, Karl Weis)
1967 Trennung der Ehe mit Robert und Übersiedelung nach Bozen
Tätig als Kunsterzieherin in der Adalbert Stifter Schule in BZ, als Kunstkritikerin freischaffend bei Dolomiten und Athesia Verlag beschäftigt.
Als Lehrerin nach 15 Dienstjahren in „Frühpension“, dann 1979 in Rom
Journalistenprüfung abgelegt.
Beginn der Journalistentätigkeit für RAI Bozen. Zudem hat sie beim Filmclub mitgearbeitet und beim Kuratorium für technische Kulturgüter.
(Quelle: ihr Sohn, Dr. Markus Scherer)
Denkblatt für Elisabeth Baumgartner der ar/ge kunst Galerie Museum, Bozen: „Elisabeth Baumgartner ist nicht mehr. Die Dynamik ist gebrochen. In der gemeinsamen Arbeit für die ar/ge Kunst haben wir ihre Produktivität, Neugierde, Suche nach Erkenntnis miterlebt. Sie war Gründungsmitglied und Programmgestalterin der ersten Stunde, ihre engagierte Handschrift füllt die ersten Protokollbücher. Ihr Beitrag galt nicht einzelnen künstlerischen Manifestationen zum Selbstzweck, sondern immer als Zeugnis einer Haltung und Lebensweise. Eine Arbeitgemeinschaft mit Elisabeth bedeutete eine Ideen- und Wertegemeinschaft. Ihre Antriebskraft gründete auf der Fähigkeit, Verbindungen herzustellen, Menschen mit Menschen und Menschen mit Themen zusammenzuführen. Um den Hals trug die praktisch gekleidete Journalistin keine Kette, sondern ihre Brille, über die Schulter keine Handtasche, sondern das Tonband: Sie war im doppelten Sinn immer aufnahmebereit. Dieses Bild ist im Kopf geblieben als Portrait eines kraftvollen Tuns an der Öffentlichkeit. Als Kunstkritikerin , Kulturhistoriker in und Journalistin tauchte sie weit unter die Oberfläche des Scheins. Kultur assoziierte Elisabeth Baumgartner nicht nur mit den Werken der Kunst oder Literatur, sondern mit den weiteren Umrissen und mit dem tieferen Innenleben einer Gesellschaft. In diesem Sinn vernetzte sie ihre politischen, kulturhistorischen und künstlerischen Interessen. Die Kulturjournalistin hinterlässt eine Fülle an Aufzeichnungen, Dokumenten, Interviews ..., heute schon wieder wertvolles Quellenmaterial zum Weiterdenken, im Sinne der von ihr praktizierten sensiblen Neugierde in der Erkundung der kulturellen Identität unseres Lebensumfeldes. In der Begegnung mit politischen Entscheidungsträgern und Geldgebern vereinigte sie die Autorität der Expertin mit der Feinfühligkeit in der Verteidigung der kulturellen Projekte, sodass auch bei brisanteren Argumenten die Relevanz des Themas etwaige politische Dünkel und Vorurteile überwand. Sie war uneigennützig engagiert und frei von Karrieredenken, bescheiden für sich selbst, aber umso fordernder, was Verbindlichkeiten für die kulturelle Sache anging. Die Entwicklung der ar/ge Kunst resultiert nicht zuletzt aus ihrer verausgabenden und unerschrockenen Energie. Leider regt erst der traurige Anlass an, darüber nachzudenken, wie viel eine lebendige Kunst- und Kulturszene dem begeisterten Herzschlag einer Kulturarbeiterin wie Elisabeth Baumgartner verdankt.“
(Quelle: Dolomiten, 8.06.05, Presse 2.6.05, Wiener Zeitung 2.6.05)
Zum Nachlesen:
Willy Valier und seine Zeit (gebundene Ausgabe) von Elisabeth Baumgartner, Pierluigi Siena; Verlag Athesia 1987; ISBN-10: 8870144690, ISBN-13: 978-8870144697.
Baumgartner, Elisabeth: Eisenbahnlandschaft Alt-Tirol: Verkehrsgeschichte zwischen Kufstein und Ala im Spannungsfeld von Tourismus, Politik und Kultur / Elisabeth Baumgartner Beitr. von Giovanni Klaus König u. Johann Stockklausner Altösterreiches Verkehrsdesign Beispiel Rittner-Bahn / mit Beitr. von Giovanni Klaus König u. Johann Stockklausner. Fotos von Oswald Kofler. Innsbruck: Haymon-Verlag, 1990, ISBN 3-85218-065-1.
Elisabeth Baumgartner, Hans Mayr, Gerhard Mumelter - Die Feuernacht Südtirols - Bomenjahre ein zeitgeschichtliches Lesebuch - Edition Reatia 1992 - ISBN 88-7283-010-9.
Gottfried Solderer (Hrsg.): SILVIUS MAGNAGO - Eine Biographie Südtirols - Mit Texten von Elisabeth Baumgartner - Edition Raetia 1996 - ISBN 978-88-7283-053-6