29.02.2008
Ein (beinahe) vergessenes Stück Geschichte
Auf Einladung der SVP-Ortsgruppen von Olang in Zusammenarbeit mit der Silvius-Magnago-Akademie und der Bibliotheksverwaltung von Olang war am Donnerstag, dem 28. Februar, der Zeithistoriker Gerald Steinacher vom Südtiroler Landesarchiv zu Gast in der Bibliothek von Mitterolang. Steinacher hielt dabei einen Vortrag zum Thema „Zwischen Duce und Negus – Pusterer im Abessinienkrieg“.

„Die Eroberung Äthiopiens durch die Armeen Mussolinis 1935/36 ist ein allzu lange Zeit verdrängtes Kapitel italienischer Zeitgeschichte“, so Steinacher in seinem Vortrag, „trotzdem erinnern in Südtirol noch viele Straßenschilder und Denkmäler an diesen ersten modernen Massenkrieg.“ Als Beispiele dafür nannte der Historiker etwa die Amba-Alagi-Straße in Bozen, benannt nach einer Schlacht im Abessinienkrieg. „Auch im Pustertal finden sich unübersehbare Spuren, wie etwa das Alpini-Denkmal in Bruneck, auch „Kapuziner-Wastl“ genannt, welches im Jahr 1938 zu Ehren der „Heldentaten“ der „Divisione Alpina Pusteria“ errichtet wurde.“ Obwohl auch etwa 1.200 deutschsprachige Südtiroler in diesem Krieg eingesetzt wurden bestand die besagten „Divisione Alpine Pustertia“ hauptsächlich aus Italienern: „Dieser Name hatte Symbolcharakter und war Ausdruck der Größe des italienischen „Imperiums“ welches sich nun vom Alpenhauptkamm bis nach Äthiopien erstreckte“, erklärt Steinacher.
Steinacher ging auch besonders auf die von der italienischen Armee begangenen Kriegsverbrechen ein: „Am Beispiel des brutal und unter Einsatz von Luftwaffe, Giftgas und Massentötungen, auch massiv gegenüber der äthiopischen Zivilbevölkerung, geführten Abessinienkrieges wird die Legende vom »humanen« italienischen Kolonialismus genauso widerlegt, wie die Sichtweise, dass der italienische Faschismus nicht rassistisch gewesen sei.“
Im Abessinienkrieg starben etwa 3.000 Italiener, davon 17 deutschsprachige Südtiroler. Auf äthiopischer Seite waren mehr als 200.000 Opfer zu beklagen.
Als besonderen historischen Leckerbissen präsentierte Steinacher ein originales Filmdokument aus dem Abessinienkrieg, welches er im Zuge seiner Forschungstätigkeiten im amerikanischen Nationalarchiv in Washington entdeckt hatte: „Diese Aufnahme war während des Abessinienkrieges von amerikanischen Sanitätern für die amerikanische Wochenschau gefilmt worden und wurde seit etwa 70 Jahren nicht mehr gezeigt.“
Nachdem die Anwesenden eine Reihe von Fragen an den Referenten stellen konnten bedankte sich SVP Ortsobmann Günther Pörnbacher bei Gerald Steinacher für diesen überaus lehrreichen Vortrag. Pörnbacher nutzte diese Gelegenheit alle Teilnehmer für den nächsten Vortrag „Bomben oder Diplomatie? Unsere Geschichte. Südtirol 1914 – 1992 in Streiflichtern“ einzuladen, welcher am Donnerstag, 13. März, wiederum in der Bibliothek von Mitterolang um 20:00 Uhr stattfinden wird.
