20.04.2007
E.Ekat, München

@Anton, na wenigstens fehlt der untaugliche Verweis auf den Kanton Jura. Darüber hinaus: Es gibt hier überhaupt keinen Dissens darüber, daß die Frage Südtirols offen gehalten, dem Selbstbestimmungsrecht Genüge getan werden muß, und der Verbleib bei Italien nicht angestrebt wird. Diese Formulierung kann man nun aus allen möglichen Sichtweisen heraus anspitzen. Geht man jedoch darüber hinaus, dann fehlen die zur Umsetzung notwendigen Voraussetzungen. Beispielsweise die dafür notwendige Mehrheit. Dies trifft grundsätzlich für alle Zielvorstellungen zu, die von der derzeitig zweitbesten Lösung - das ist die Autonomie - zu einer besten Lösung führen soll. Aus der Sicht einiger mag diese Lösung im Anschluß an Österreich liegen. Die Begründungen dafür sind mehr oder weniger subjektiv. Vor allem jedoch fehlt ihnen die Umsetzbarkeit. Siehe unter: erforderliche Mehrheit. Zu Cossiga äuere ich mich nicht mehr, dazu ist alles gesagt worden. Es wird nun langsam langweilig, immer und immer wieder auf das Selbstbestimmungsrecht pochen zu wollen udn dabei notorisch zu übersehen, daß die Mehrheitsverhältnisse weder ausreichend sind, um einen Anschluß an Österreich zu bewerkstelligen, noch um eine andere Lösung herbeizuführen. So lange wird es bei der (laut SVP-Obmann Pichler) „Nur Zweitbesten Lösung“ bleiben müssen. Mein Eintreten hier widmet sich der Frage, wie man die Mehrheitsverhältnisse verändern kann, und dies hat damit zu tun, welche Zielvorstellung man dazu vorgibt. Ich persönlich glaube nicht mehr, daß sich Mehrheitsverhältnisse zugunsten eines Anschlusses an Österreich noch herbeiführen lassen. Diese Option hat ihren Zenit überschritten. Dagegen halte ich es für machbar, eine eigenständige Südtiroler Identität weiter auszubauen, die auf völlige Eigenständigkeit abstellt. Das heißt nichts anderes als die Autonomie weiterzutreiben., die ja bereits starke Elemente der Eigenständigkeit in sich trägt. Auf diesem Wege sehe ich große Chancen, besonders hinsichtliche der Nutzung von wirtschaftlichen und rechtlichen Nischen, die sich in der EU, und durch die EU bieten. Dies darzulegen führte hier aber zu weit. Es bedarf dazu einer Vision, wo es hingehen könnte und soll, sowie die dann sehr viel schwierigere Aufgabe, diese Zielvorgabe zu kommunizieren. Der Öffentlichkeit darzulegen, daß man über das derzeitige Stadium der „Zweitbesten Lösung“ ohne Hilfe durch ein historisches, bisher leider unbekannt gebliebenes Zusatzereignis nicht hinausgelangen wird.
Wir sind uns also einig, was die „Zweitbesten Lösung“ angeht. Die Gabelung erfolgt auf dem Wege zu dem, was die erstbeste, also allerbeste Lösung darstellen wird. Die Aufgabe, die sich dem Kanton Jura stellte, ist dagegen vergleichsweise Kinderkram gewesen.

20.04.2007
Anton, St. Jakob

Ein Zitat aus den "Dolomiten on-line" vom 28.08.06: AUTONOMIE FÜR SÜDTIROL LAUT SVP-OBMANN "NUR ZWEITBESTE LÖSUNG":
Lokal: Die Autonomie für Südtirol ist nach Ansicht von SVP-Obmann Elmar Pichler Rolle "nur die zweitbeste Lösung. Die Südtiroler und ihre politische Vertretung die SVP, hatten für die Rückkehr zu Österreich gekämpft, ebenso wurde später die Durchführung der Autonomie durch den italienischen Staat jahrzehntelang verzögert, sagte er am Montag 21.08.2006." Ende des Zitats. Die APA- Meldung (Austria Presse Agentur) vom Freitag, 26.05.2006 im ORF-Teletext, Seite 120. Rubrik Politik Österreich/Europäische Union. Überschrift: SÜDTIROL ZU ÖSTERREICH? - AUFREGUNG: Wirbel um ein mögliches Referendum zur Frage, ob die Südtiroler bei Italien bleiben oder nach 88 Jahren wieder zu Österreich zurückkehren wollen: Francesco Cossiga, Ex-Staatspräsident und jetzt Senator auf Lebenszeit, hat solchen Gesetzesentwurf angekündigt. (...) Der Plan sah vor, dass bei einem Ja die italienische Armee und die Finanzwache binnen 48 Stunden abgezogen werden. Landeshauptmann Durnwalder reagierte zurückhaltend, die Südtiroler Volkspartei werde das prüfen. Nun gibt sich Cossiga empört: "Die Durnwalder-Bande interessiert mehr das Geld aus Rom". Ende dieser Presseagenturmeldung. Ein Zitat aus "Dolomiten on-line" vom 14. April 2007. Der österreichische Politiker Strache fordert Selbstbestimmung für Südtirol. FPÖ-Bundesparteiobmann Heinz-Christian Strache hat vom "offiziellen Österreich" gefordert, es solle "endlich wieder Mut zeigen" und die Selbstbestimmung für Südtirol fordern, das "ein Teil Österreichs" sei und "damals gegen die eindeutige Willensbekundung der Bevölkerung territorial geraubt worden" sei. Ende des Zitats. Aus dem Grundsatzprogramm der SVP: "Grundwerte für die Zukunft: Die SVP bekräftigt die Unverzichtbarkeit des Selbstbestimmungsrechtes der Südtiroler". "Dolomiten" vom 07.02.2007 "Südtiroler Landtag gegen die Grundsatzerklärung zu Verbleib der Autonomen Provinz Bozen bei Italien." Die Sprecherin der SVP erklärte für diese Partei in dieser Grundsatzdebatte im Bozner Landtag, dass die Autonomie nicht als definitiv und unwiderruflich zu betrachten sei, da es noch weitere politische Entwicklungen geben könnte, wenn Österreich weiterhin eine Schutzfunktion für Südtirol habe. Dr. Eva Klotz erklärte für die Union f. ST., dass die Zugehörigkeit des Landes zu Italien weder juridisch noch moralisch haltbar sei und laut internationalem Recht könne sich die Republik Italien nicht auf die Einheit des Staates berufen, da die Zugehörigkeit Südtirols zu Italien nicht auf einer freien Entscheidung des Volkes beruhe, das zu dieser Frage ja nie befragt wurde. Der Vertreter der FP meinte, dass der jetzige politische Status des Landes weder als endgültig oder noch als unwiderruflich zu betrachten sei. Die Grünen äusserten die Meinung, dass die Verweigerung des Selbstbestimmungsrechtes für das Land ein historisches Unrecht darstellen würde und die Frage der Zukunft für das Land würde gleichermassen die Unterzeichner des Autonomie-Vertrages von Paris 1946, Italien und Österreich betreffen, wie auch die UNO, die mit dieser Frage mehrmals befasst wurde. Der Landeshauptman von Südtirol Luis Durnwalder erklärte in dieser Debatte, dass das Land Südtirol nie den Verbleib bei Italien angestrebt habe, auf das Selbstbestimmungsrecht habe man daher in der Autonomen Provinz Bozen nie verzichtet, denn dies bleibe ein Grundrecht eines jeden Volkes, zumal in Europa politisch im Sinne der Selbstbestimmung für Südtirol sich noch einiges entwickeln könne.

19.04.2007
unrecht, südtirol
vergessen wir niemals unsere traurige geschicht
19.04.2007
Karlk, Oetztal
@E.Ekat: So habe ich das doch nicht geschrieben.
19.04.2007
E.Ekat, München
Na, dann machen Sie mal. Gründen Sie mal ein Forum, daß den EU- Gremien die Sache Südtirols nahebringt anhand des von Ihnen beispielshaft angeführten Kanton Jura.
19.04.2007
Anton , St. Jakob

Die Frage der Wiederherstellung der Einheit der geteilten tiroler Landesteile beschäftigte gerade den, am 18.04.2007 stattfindenden Tiroler Dreier -Landtag in Innsbruck. Die Debatte darüber wurde diesmal von der Tagesordnung genommen. Bei der nächsten gemeinsamen Tagung schaut es u.U. anders damit aus. Das bedeutet also, dass sogar in den höchsten politischen Gremeiem der Landespolitik intensiv darüber nachgedacht wird. Ich nehme an, dass dieses für die Zukunft des Landes so wichtige Thema die Landespolitik in Innsbruck, Bozen und Trient weiterhin beschäftigt und beschäftigen wird. Der Gedanke der Europäischen Einheit steht in keinem Widerspruch zur Tiroler Einheit, ganz im Gegenteil, erst durch den segensreichen Einfluss der EU und ihrer Einigungs-Rechtsnormen sind die Tiroler in der AP Bozen und im Bundesland Tirol politisch dort wo sie heute sind. Ohne den Europagedanken in der Landespolitik und auf der zwischenstaatlichen Ebene wäre das wohl undenkbar gewesen. Eine echte Selbstbesrimmung, vor allem die in Süd-Tirol kann natürlich nicht von einem Tag auf den anderen geschehen. Der Wunsch nach eigener Selbstbestimmung kam aber schon zum ersten mal sogar gleich nach der Annexion ihres Landes durch Italien 1918 -1919 und zwar in einer Petition und Forderung nach Volksabstimmung an den damaligen US-Präsident Wilson im Sinne der von ihm propagiereten Idee der national klaren Grenzen in Europa nach dem I. Weltkrieg. Damals lebten in Südtirol 93% deutschsprachige Südtiroler, 4% Ladiner und 3% italienischsprachige Tiroler. War das also damals eine klare national gezogene Grenze quer durch das Land Tirol? Der italienische Faschistenterror gegen die Süd-Tiroler in den 20-er Jahren bis 1943, der von der italienischen Bevölkerung unwidersprochen in Kauf genommen worden ist oder aktiv unterstützt wurde, hat diesem Staat Italien egal unter welcher Regierung jede moralische Berechtigung entzogen dieses Land für Italien nach dem II. Weltkrieg zu reklamieren. Auch damals hat es eine Petition der Süd-Tiroler, fast von allen unterschrieben gegen den weiteren Verbleib ihres Landes bei Italien gegeben. Das Dritte Reich vor 1945 hat auf "Ansprüche" auf Süd-Tirol verzichtet, da bekanntlich der Führer dem Duce dieses Land, das ihm nie gehörte "schenkte". Es war das aus den Wirren des Krieges wiederauferstandene Österreich, das Vaterland der Süd-Tiroler, das nach 1945 sich für die Rücknahme der Unrechtsgrenze am Brenner mitten durch Tirol international am stärksten eingesetzt hat, obwohl dieses Land zu diesem Zeitpunkt genug andere Sorgen gehabt hat. Österreich war damals selbst ein vierfach besetztes Land gewesen und bis 1955 nicht souverän, daher war der aussenpolitischer Handlungsspielraum denbar klein. Immerhin konnte man im "Pariser Vertrag" von 1946 eine weitgehende Autonomie für das Land Süd-Tirol mit Rom ausverhandeln. Staat Autonomie kam dann später die Taschentrickpolitik seitens der italienischen Staatsmacht. Diese hat zu den sog. süd-tiroler Bombenjahren geführt in den 50-ern und 60-ern. Erst dann, als dieser Konflikt um die Selbstbestimmung Süd-Tirols durch die Beteiligung der UNO internationalisiert worden ist, hat man sich in Italien äusserst widerstrebend zur Autonomie für Süd-Tirol bekannt, aber es dauerte noch 20 weitere Jahre, bis die Autonomie wirklich in allen vereinbarten Bereichen und in allen Formen einigermassen für die Menschen eine Verbesserung ihrer Lage gebracht hat. Die permanenten tagtäglichen Verletzungen der Bestimmungen des Autonomiestatuses, wie die Einhaltung der Zweisprachigkeit in allen Ämtern und Schriftstücken sind allgemein bekannt und werden nur am Rande erwähnt. Eine absolute Sicherheit für den Fortbestand der Autonomie in der Zukunft gibt es nicht, daher ist der Ruf nach Selbstbestimmung umso selbstverständlicher, wie die Selbstbestimmung-Petition der südtiroler Bürgermeister an den österreichischen Nationalrat von 2006 deutlich zeigt. Ich persönlich sehe die Zukunf dieser Selbstbestimmung im europäischen Einigungsprozess, wo es von Jahr zu Jahr für die beteiligten Parteien politisc leichter und zumutbarer wird neue Wege bei der Suche nach der Einheit aller Tiroler zu beschreiten. Ich habe in meinem Beitrag ein Beispiel einer gelungwenen Selbstbestimmung aus der Schweiz, aus dem Kanton Jura angeführt. Die Selbstbestimmung der Jurassier dauerte von 1948 bis 1979, also über 30 Jahre lang. Seit 1948 wurde in diesem Land, damals "ohne Namen" alljährlich ein Identitätsstiftendes Fest von und für alle Jurassier abgehalten, Stichwort "Fete du peuple jurassien". Diese Regelmässigkeit an Zusammenkünften ermöglichte diesem kleinen Volk seine politischen Wünsche klar zu formuliren und politisch die Grundlagen für diesbezügliche Volksabstimmungen vorzubereiten. In den Referenden 1959 und 1974 votierten die Jurasier jeweils mehrheitlich für ihre Selbstbestimmung. Von 1976 bis 1978, also bis zur dritten Abstimmung mit wieder einem "Ja" zur eigener Selbstbestimmung, war die heutige Hauptstadt von Jura Delémont der Versammlungsort für die Ausarbeitung aller Rechtsakte gewesen, die man zur Gründung eines eigenen Kanton und zum Beitritt zur Schweizerischen Eidgenossenschaft benötigte. Am 1. Jänner 1979 ist der neugegrüdete Kanton Jura als 26. Kanton der Schweiz beigetreten. Die Geschichte der Entstehung deeses neuen Kantons Jura war immer friedlich, trotz mehrerer gegenseitiger Provokationen, Tumulten und hitziger politischer Debatten in der Bevölkerung. "Somit wurde hier einer Minderheit ohne Blutvergiessen Territorium zugestanden, was im 20. Jahrhundert nur in wenigen Fällen geschah". Zitat Wikipedia, Geschichte der Stadt Delémont, Seite 5. Die Jurassier scheinen aber immer noch nicht am Ziel ihrer nationalen Wünschen innerhelb der Schweiz angekommen zu sein und fordern seit Jahren die Wiedervereinigung mit der Gegend "Jura bernois", d.h. Süd-Jura. Die schweizer Regierung nimmt diese Bestrebungen sehr ernst und bestellte daher 1994 eine ständige Kommission, die an der endgültigen politischen Lösung der Jura -Frage seitdem arbeitet. Die Regierung in Bern betrachtet dies nicht als lästige Pflicht, sondern als ihre ureigene politische Hausaufgabe. Endere Politiker in Europa mögen sich daran ein Beispiel nehmen. Seit 2004 wird diese Wiedervereinigung der Jurassier mit Elan vorangetrieben. Wenn man aus dieser Geschichte einer gelungenen Selbstbestimmung in der Schweiz für das Land Süd-Tirol etwas lernen könnte, dann vieleicht das, dass die Tiroler in der AP Bozen und im österreichischen Bundesland Tirol einen klaren und unmissverständlichen Wunsch nach der Einheit seit uralten Zeiten hegen und dieser Wunsch in der Landespolitik in beiden Ländern einen permanenten Handlungsbedarf vorfinden sollte. Dieses politische Ziel einer Landeseinheit im Einklang der Rechtsnormen der EU, Italiens und Österreichs müsste man erst einmal ausformulieren und diesen Wunsch gemeinsam in Brüssel in dafür zuständigen Gremien vorbringen. Es wäre dann die Aufgabe der EU, nach dem Beispiel des Kanton Jura wie in der Schweiz, eine eigene EU-Kommission zu gründen, die sich mit einer endgültigen Lösung der Frage der Einheit des geteilten Tirols permanent beschäftigen sollte. Die Ansprechpartner wären dann abgesehen von den Landesregierungen, Diplomatie und Regierungen in Wien und Rom. Schon einmal hat die Internationalisierung der Süd-Tirol Frage diesem Land Erfolg in Form von heutiger Autonomie nach 1972 gebracht, heute wäre vieleicht eine Europäisierung sinnvoll, damit dem Grundrecht auf Selbstbestimmung für Tirol südlich des Brenners zum Durchbruch verholfen werden kann. Die Einheit Tirols ist heute eindeutig eine innereuropäische Angelegenheit, daher sollte man meines Erachtens langsam daran zu denken beginnen, dass nicht nur Rom und Wien, sondern auch die EU als solche überstaatliche politische Institution und Instanz in dieser Frage tätig sein könnte. Vorausgesetzt es ist so, wie nicht nur eine, sondern wiederholte male die Meinungsumfragen in allen Teilen Tirols eine grosse Mehrheit für die Landeseinheit an Resultaten gebracht haben. Zu so einem Schritt braucht man politisch weitsichtige und mutige Politiker in Bozen und Inssbruck. Sie müssten es auch letztenendes politisch verantworten, daher darf man diese Entwicklung nicht überstürzen und überstrapazieren. Der europäische Einigungsprozess mit alles seinen Möglichkeiten und Herausforderungen bietet aber neue und Chancen und weitere Möglichkeiten der Einheit Tirols noch viel näher zu kommen, als es heute ohnehin schon der Fall ist. Man muss sie nur zu nutzen wissen., wenn man in der Zukunft in einem Land Tirol als Tiroler in Nord, Süd, oder Ost leben möchte. In den nächsten Jahren vieleicht in einem Land Tirol unter der Schirmherrschaft von Italien und Österreich und natürlich der EU.

18.04.2007
E.Ekat, München

@Karlk, Ötztal, Sie bekennen Sich also zur Beendigung der Autonomie- und Sonderrechte für Südtirol, weil diesen eine Spalter- Funktion für die Südtiroler gleichkommt ? Direkte Folgen, so unterstelle ich mal, erwarten Sie aus diesem Bekenntnis für sich selber jedoch nicht. Die Probleme entstehen bei denen, die so etwas politisch umsetzen sollen. Kein verantwortlicher Politiker wird sich auf ein Vabanque-Spiel eines ungewissen Wahl-Ausganges einlassen. Und damit Rechte riskieren, die sie unwiederbringlich und endgültig verlieren würden, sofern die Wahl verloren ginge.
@ Anton, St. Jakob:
Nicht alles, was mit dem Begriff „Selbstbestimmung“ verbunden ist, läßt sich zutreffend mit der Sürdtirolfrage verbinden. Bisherige Beispiele von Ihnen: MonteNegro. Kanton Jura. Ich las von Ihnen auch schon Quebec. Sie übersehen, nicht einmal belegen zu können, daß der Anschluß an Österreich tatsächlich durch Wahl sichergestellt wäre. Verschonen Sie mich dabei bitte mit Ihrer Internet-Umfrage. Die Südtirol- Frage zu lösen - besser sollte man sagen: weiterzutreiben erfordert mehr, als lediglich einem Wahlvorschlag eines italienischen Senators Folge zu leisten. Ich bin überzeugt davon, daß Cossiga dies genauestens wußte. Sie sehen das Recht auf Selbstbestimmung zu sehr aus den Augen eines Überzeugten, wonach die Ausübung eines Selbstbestimmungsrechtes sich ausschließlich auf seiner Seite niederschlagen könne.

18.04.2007
Anton, St. Jakob

Ich möchte in diesem Zusammenhang auf ein Beispiel einer gelungenen Selbstbestimmung neueren Datums aus der unmittelbaren Nachbarschaft Süd-Tirols, nämlich aus der Schweiz hinweisen. Der Kanton Jura im nord-westlichen Teil der Schweiz, an der Grenze zu Frankreich ist 1979 (!) gegründet worden und der Eidgenossenschaft beigetreten. Auf der Seite http://de.wikipedia.org in der Rubrik Geografie unter Stichwort: Kanton Jura findet man z.B. alle wichtigen Daten dazu. Der Kanton Jura mit der Hauptstadt Delsberg/Delémont ist der jüngste Kanton der Schweiz. Am 24. September 1978 fand dort ein Selbstbestimmungsreferendum statt, das ein klares Votum für die Selbständigkeit und für die Gründung als 26-er Kanton der Schweiz mit sich brachte. Durch entsprechende Rechtsakte ist dieser neue Kanton Jura der schweizerischen Eidgenossenschaft 1979 beigetreten. Der Konflikt der letztenendes dazu geführ hat, dass der französischsprachige Kanton seine Zukunft nur als selbständiger schweizer Kanton gesehen hat, führt bis ins 19. Jhdt. zurück und hat mit französischer Besetzung dieses kleinen Landes und Konfessionskämpfen zu tun. Dieser Konflikt um die eigene Selbständigkeit des jurasischen Volkes war daher weniger sprachlicher, sondern vielmehr konfessioneller Art. Der heutige Kanton Jura ist französischsprachig und vorwiegend katholisch. Daher zeigte sich bei der Volksabstimmung im Jahre 1978 über die Kantonsgründung, dass der südliche protestantische Teil sich zuerst einmal dagegen ausgesprochen hat. Diese Frage ist aber weiterhin noch nicht restlos politisch geregelt und die schweizer Regierung bestellte 1994 eine ständige Kommission, die an der endgültigen Lösung der Jura-Frage immernoch arbeitet. Im September 2004 hat diese politische Entwicklung eine Neuorientierung erfahren und zwar durch die Gründung eines Projekts zur Wiederherstellung der Landeseinheit und durch breitangelegte Debatten zu diesem Thema in der betroffenen Bevölkerung. Das politische Ziel dieses Projektes ist nach der Vorstellung der Nord-Jurassier die Wiedervereinigung des Kanton Nord-Jura mit dem Kanton Süd-Jura, d.h. Jura bernois. Nach der politischen Absicht der Nord-Jurassier sollte damit ein weiterer Anlauf unternommen werden, die (nach den Vorstellungen des Nor-Juras ) immer noch unterdrückten Bewohner des Süd-Juras vom Kanton Bern zu lösen und damit die Einheit des jurassischen Volkes in einem Kanton Jura wiederherzustellen. Diese Geschichte der angestrebten Landeseinheit der Jurasier in der Schweiz hat natürlich einen anderen politischen Hintergrund als die angetrebte Einheit der geteilten tiroler Landesteile. Dennoch, Die Europäische Union nimmt langsam aber sicher eine Gestalt an, die man bald mit der konstitutionellen Verfassung der Schweiz vergleichen kann. Die Schweiz wäre dann die EU im Miniformat, und zwar mit verschiedenen Sprachen, Regionen, Konfessionen, Kulturen etc. Eines hat aber die Eidgenossenschaft der EU von heute sicherlich ganz voraus, nämlich die direkte Demokratie, wo die Bürger über die für sie so wichtigen Fragen bei unzähligen Referenden durch abgegebene Stimme selbst politisch entscheiden und nicht Staats- und Parteiapparate, die oft zuerst an eigene Interessen denken und erst zum Schluss, wenn es nicht anders geht an die Interessen und Wünsche der von ihnen regierten Bevölkerung. Dieses demokratiepolitische Manko der Europäischen Union im Umgang mit dem Volk ist daher heute klar feststellbar, aber ganz sicher in Italien der Gegenwart für jederman gut sichtbar. Eine Selbstbestimmungsdebatte und direkte Demokratie in Süd-Tirol würde vieleicht unter Umständen mehr an Demokratieverständnis für dieses Land bringen, auch dann wenn es sich zum Schluss herausstellen sollte, dass die Landeseinheit mit dem Bundesland Tirol den Süd-Tirolern wichtiger wäre, als die Reize des Landes "wo die Zitronen blühen". Tirol isch lei oans, und das gilt für alle Teile dieses geteilten Landes und ganz bestimmt für die noch zugestaltende politische Zukunft des Landes Süd- Nord- Ost-Tirol.

17.04.2007
karlk, Oetztal
@Anton: Danke, meine Antwort an Ekat wäre nicht besser gewesen (nur etwas kürzer ;-) ).
@Ekat: Autonomie und Sonderstatus bieten, wie Sie sagen, Sonderrechte zum Schütz der deutssprachigen Minderheit. Also nach einer Wiedervereinigung sind sie kein Thema mehr. Darum frage ich Ihnen: für wen sind diese Themen am Wichtigsten: für die Südtiroler oder für diejenige die ein Interesse daran haben dass die südtiroler Mehrheit gespalten wird??
17.04.2007
max, auer
Nein zum lebendigen Faschismus in Südtirol
17.04.2007
Anton, St. Jakob

Das österreichische Bundesland Tirol ist bereits, wie jedes andere Land in diesem Staat weitgehends autonom. Da würde das Land Süd-Tirol mit seiner jetzigen Autonomie nicht einmal auffallen. Die Republik Österreich ist eine Föderation aus 9 verschiedenen Bundesländern. Auch innerhalb von Österreich sind oft die Unterschiede gewaltig. Die ehemaligen Randregionen in Niederösterreich und Burgenland haben einen anderen wirtschaftlichen Status als die westlichen Bundesländer oder die Hauptstadt Wien, die zu den wohlhabensten Regionen Europas gehören. Da ist die Lage in Norditalien schon ganz anders. Das Land Süd-Tirol ist nur aus diesem Grund in allen Statistiken so gut, weil man auf eigene Rechnung wirtschaften und Politik machen darf. Lediglich 10% des Steueraufkommens werden nach Rom abgeführt. Das würden sich natürlich auch andere Regionen in Italien wünschen, wie z.B. Welschtirol - Trentino. oder Lombardei, Piemonte,bzw. Veneto die ebenfalls hochindustrialisiert und hochentwickelt sind. Leider müssen all diese Länder auf immer und ewig den Ausgleich mit dem Süden finanzieren, ohne wirklich sichtbare Resultate vorort damit zu erreichen. Sie blechen bis zum glühen und das gute Geld aus dem Norden versickert auf dem Umweg über Rom (Stichwort im ital. Volksmund "Ladri di Roma") irgendwo in Mezzogiorno. Die italienischen Regionen am Po-Strom würden heute wahrscheinlich den gleichen Standard der Entwicklung haben, wie die Länder in Benelux oder West-Deutschland. So gesehen ist der Status von Süd-Tirol ein Sonderfall in Italien. Man sieht ganz deutlich, was man aus eigener Kraft erreichen kann, wenn man wie in Bozen das meiste selbst vorort regelt und steuert. Übrigens, das österr. Bundesland Tirol gehört ebenfalls zu den wohlhabendsten Regionen in Europa und hat eher bessere Eckdaten als Süd-Tirol. Österreich hatte 2006 ein BIP, Bruttosozialprodukt, durchaus vergleichbar oder sehr nahe an der Schweiz. Die Wirtschaft läuft gerade jetzt dort auf Hochtouren und Österreich wird bald wohl Vollbeschäftigung erreichen. In meinem Bekanntenkreis nördlich des Brenners kenne ich nur Menschen, die deutlich über 2 - 3 Tausend Euro im Monat 14 x im Jahr verdienen. Dazu sind die Preise dort viel niedriger, als in Süd-Tirol. Wohl aus diesem Grund sind die Einkaufszentren in Innsbruck und Lienz und anderswo stets ein beliebtes Ziel für die Kunden aus Tirol südlich des Brenners. Gerade hier stimmen die Menschen schon jetzt ab, und zwar mit ihrem Vehalten als Konsumenten und es ist gut so. Was die politische Zukunft der AP Bozen betrifft, so würde ich mir natürlich eine Selbstbestimmung ohne wenn und aber für Süd-Tirol wünschen und dem Staat Italien eine gründliche Reform und Regionalisierung des Gemeinwesen. Sollte sich jemals die Landespolitik in Bozen mit dem Wunsch nach Selbstbestimmung in Brüssel melden, dann wird klarerweise die EU den Süd-Tirolern zuhören müssen. Nicht anders war es bei Montenegro 1996 -2006. Diese Selbstbestimmung erfolgte in ihrem letzten Akt unspektakulär, von Serbien unbehindert und wurde von der Landesbevölkerung in dieser Abstimmung demokratisch legitimiert. Die politische Lage in Kosovo ist jetzt anders, aber der Staat Serbien wird sicherlich nicht neurlich dieses kleine Land besetzen und die Menschen drangsalieren. Die EU, die UNO und die NATO werden schon dafür sorgen. Was eine wirkliche Selobstbestimmung in Süd-Tirol der Zulunft betrifft, so ist es heute unvorstellbar, dass die Staatsmacht Italien sich in unseren Tage so verhalten würde, wie seinerzeit in Kosovo Serbien, oder wie vieleicht die italienische Staatsmacht in Süd-Tirol in den 1960-er Jahren, wo das ganze Land durch eine lückenlose Militär- und Polizei-Präsenz in ganz Süd-Tirol, Massenverhaftungen, Massenfolter und über ein Dutzend Todesopfer auf der Seite des Süd-Tiroler Widerstandes zum Gehorsam gezwungen worden ist und dem politischen Standpunkt Roms so zum Durchbruch verholfen wurde und die damals angestrebte Selbstbestimmung unterbunden worden ist. Die Zeiten ändern sich und heute kann man und darf man mit Menschen in Europa nicht so umgehen, wie in Italien vor 1943 oder später in der Zeit der internationalen Süd-Tirol Krise in den 60-er Jahren. Eine echte Selbstbestimmung für Süd-Tirol wird es lange noch ohne Wohlwollen aus Rom nicht geben, daher ist der jetzige Weg des Landes politisch das beste, was man heute realpolitisch erreichen kann. Das Recht auf Selbstbestimmung ist ein grundlegendes Menschenrecht und mit der Zeit steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass dieses Recht auch von der Bevölkerung in Süd-Tirol ausgeübt werden kann. Was meinen politischen Standtpunkt betrifft, so möchte ich betonen, dass ich keineswegs ein Resultat dieser Selbstbestimmung vorgeben möchte. In dieser Selbstbestimmung ist alles drin, was man sich an neuen politischen Lösungen für das Land vorstellen kann. Die am meisten populärste Lösung und von der betroffenen Bevölkerung am stärksten mitgetragene wäre wohl im Sinne einer Tiroler Einheit. Schon bald aber wäre vieleicht eine verbesserte Form der Autonomie realisierbar und zwar in Gestalt von einem Land Tirol unter Schirmherrschaft von Italien und Österreich mit einem überregionalen Landtag und einer überregionalen Landesregierung. Die Tiroler Einheit betrifft natürlich nicht nur Süd-Tirol und Italien, sondern auch das Bundesland Tirol und Österreich und kann daher in Übereinstimmung mit allen massgeblichen politischen Kräften in Gross-Tirol und in diesen zwei EU-Staaten angestrebt werden. Die Europäische Union könnte mit ihren Einigungs-Rechtsnormen diesen Prozess beschleunigen, das wichtigste aber ist, dass die Menschen und ihre politische Führung südlich und nördlich des Brenners diese Tiroler Einheit wirklich wollen würden und entsprechend politisch national und international in Europa von heute zum Wohle Tirols handeln.

17.04.2007
E. Ekat, München

@Karl, Oetztal. Wozu ist Autonomie nützlich? Autonomie und Sonderstatus bedeuten immer, daß Ihnen vor Ort Sonderrechte zustehen, daß Sie vor Ort Ihre eigenen Angelegenheiten selber regeln können. Das verlieren Sie. Das mag Ihnen vielleicht egal sein. Aber sind Sie alleine auf der Welt ? Sie sagen, Sie wären dann Österreicher, und wie dies in Wien geregelt wird, so wäre dies Ihnen persönlich willkommen. Aber es wird Mitbürger in Tirol geben, denen das nicht so willkommen ist wie Ihnen. Denken Sie auch vielleicht einmal an die ? Dann kommen noch Leute hinzu, die verstehen, daß es Vorteile bringt, Angelegenheiten grundsätzlich direkt vor Ort regeln zu können. Das Problem besteht u.a. darin, daß es in Südtirol zwar eine Mehrheit gibt, welche die Löslösung von Italien wünscht. Diese Mehrheit darf man jedoch nicht verwechselt damit, daß all diese deswegen geschlossen den Anschluß an Österreich wollen. Die Gründe dafür liegen auf der Hand, diese stehen in Zusammenhang mit Ihrem nächsten Punkt, des durch eine Vereinigung von Ihnen vermuteten zukünftigen wirtschaftlichen Aufschwungs. Dazu: unter den 250 in der EU bestehenden Regionen belegt Südtirol einen Platz unter den ersten 5, was das wirtschaftliche Wohlergehen angeht. Mit welchem wirtschaftlichen Aufschwung sollen wir Ihrer Meinung nach rechnen, wenn die Autonomie wegfällt? Ich nehme an, daß sich einige Südtiroler dies alles viel genauer ansehen werden, sobald eine Abstimmung tatsächlich in den Bereich des Möglichen gelangt. Sollte es hier zu einer konkreten Entwicklung kommen, so wird die Option von Eigenstaatlichkeit Südtirols deutlicher in den Vordergrund treten.

16.04.2007
Karlk, Oetztal
@E.Ekat, Sie reden von ein zu zahlender Preis einer Wiedervereinigung. Welcher Preis wäre das? Wozu braucht Südtirol in Österreich noch eine Autonomie, ein Sonderstatus? Tiroler brauchen in Österreich doch keinen Schutz oder Förderungen mehr? Oder sehen Sie da noch Gründe? Ein Gesamtirol wäre in Österreich das Zweitgrösste Bundesland. Eine Wiedervereinigung könnte sogar einen wirtschaftlichen Aufschwung herbeiführen.
16.04.2007
E.Ekat, München

@Anton, die Eigenständigkeit, also die Etablierung der Eigenständigkeit, also eines eigenen Staates, das scheinen Sie auszuschließen. Nicht erst hier hört der Vergleiche zu erfolgreichen Volks- Abstimmungen, wie Montenegro etc denn auch bereits auf. Freilich, wenn erst garnicht zur Abstimmung gestellt wäre, ob es in die Selbständigkeit, oder aber zum Anschluß an Österreich kommen soll, dann hätten Sie natürlich recht. Die Frage ist: wird das jemand in Südtirol merken ? Dergleichen Taktik, nur eine einseitige pro Austria-Variante zur Abstimmung zu stellen, dies vertreten Sie hier ja seit geraumer Zeit. Ich würde dergleichen dann aber nicht mehr eine Abstimmung über Selbstbestimmung nennen, sondern den Versuch der vielleicht stärksten Fraktion, die nicht vorhandene eigene Mehrheit durch geeignete Gestaltung dessen, was zur Abstimmung gelangen soll, zu ersetzen. Andere würden da eher von einem Manipulations-Versuch sprechen. Dem wird die EU niemals ihre Zustimmung geben können. Aus einem ganz einfachen Grund: nach einer Abstimmung muß die Zufriedenheit der Bevölkerung größer sein, als vor einer Abstimmung. Zugestanden: in der Politik geschehen viele überraschende Dinge. Eine derartige Entwickung, von der EU unterstützt, die sehe ich eindeutig nicht.

16.04.2007
Anton, St. Jakob

Eine echte Volksabstimmung über so wichtige Frage für das Land Süd-Tirol muss und soll ordentlich vorbereitet werden. Die jetzige Stimmungslage sieht nach meinem dafürhalten so aus, dass sicherlich über 90% der deutschsprachigen Süd-Tiroler für die Selbstbestimmung ihres Landes stimmen würden, genauso wie über 80 - 90% der Ladiner, sollte in einem entsprechenden Wahlkampf die SVP, Union, FP und auch die selbstbestimmten Grünen dafür sein. Bei den italienischsprachigen Bürgern der AP Bozen sieht dieses Bild spiegelverkehrt aus, und wenn man bedenkt, dass in diesem Land cirka 78 % Süd-Tiroler deutscher, ladinischer und italienischer Zunge leben (70+5+3 = 78% +22 % Italiener ohne emotionelle Bindung an dieses Land Süd-Tirol, sondern an die Provinz Alto Adige), dann kann man es sich leicht ausrechnen, wie so eine theoretische Abstimmung über die eigene Selbstbestimmung in der AP Bozen ausgehen würde. Dennoch jeder Ausgang einer Wahl ist ungewiss. Nicht anders war es vor einem Jahr in der serbischen Autonomen Provinz Montenegro. Diese Selbstbestimmung dauerte über 10 Jahre und wurde vom Erfolg gekrönt. Übrigens dieses kleine Balkanland weist mehrere Parallelen zu Süd-Tirol auf. Es hat 1918 die diesem Land damals neue Fremdherrschaft des Siegers des I.Weltkrieges, des Königreich Serbien akzeptieren müssen, aber wie man heute sieht dauerte diese neue Herrschaft nicht ewig. Der Zerfall Jugoslawien beschleunigte alle Selbstbestimmungen in diesem Land. Soweit ist aber Italien heute noch nicht. Die Lega nord ist heute eine politische Randerscheinung. Die Grösse des Landes Montenegro und die seiner Bevölkerung kann man auch mit der von Süd-Tirol vergleichen. Die ethnische Zusammensetzung genauso, 2/3 Mazedonier, 1/3 Andere. Es dauerte mehrere Jahre und es bedurfte hartnäckiger propagandistischer Anstrengungen im In- und Ausland, bis UNO und die EU grünes Licht für diese Selbstbestimmung gegeben haben. Sie hat unter zwei strengen Bedingungen aus Brüssel stattgefunden, erstens die absolute Mehrheit der Bevölkerung sollte sich an dieser Abstimmung beteiligen und zweitens es sollten mindestens 55 % der Bürger dafür stimmen. Beide Bedingungen sind vor cirka einem Jahr erüllt worden und die montenegrinische Selbstbestimmung ist heute bereits Geschichte. Aus süd-tiroler Sicht ist die Selbstbestimmung des Kosovo sogar wichtiger, da es da um die Zukunft der Albaner in zwei Staaten, Albanien und Serbien geht. Sehr wahrscheinlich auch diese Selbstbestimmung wird letztenendes positiv für das Land Kosovo ausgehen. Die Argumentationslage aus Belgrad mit der Geschichte und Wasserscheide ist sehr dürftig, vor allem deswegen, weil die Kosovaren ganz genau wissen, was sie nicht wollen. Daher sollte man die Reisenden nicht aufhalten, wenn sie keinen Wert auf das Zusammenleben in einem ihnen fremdgewordenen Staat legen. In der westlichen Welt gab es bereits zwei mal in den letzten 15 Jahren den Versuch einer Selbstbestimmung und zwar in der Autonomen Provinz Quebec in Kanade. Beide male sind die Befürworter dieser Selbstbestimmung knapp an 50% Marke gescheitert. Nach diesen Referenden hat sich dort am Status der bereits vorhandenen Autonomie nichts geändert. Ganz im Gegenteil, erst seitdem die Quebecker auf das Recht auf die Sezession pochen, nimmt man ihre Interessen in Ottawa ernst und Kanada ist heute so gut wie zweisprachig geworden. In der EU wird höchstwahrscheinlich in der weiteren Zukunft die Frage von Selbstbestimmungen für Katalanien, Kanareninseln, Baskenland, Korsika, Nord-Irland und auch Süd-Tirol immer aktueller werden. Jede Selbstbestimmung kann also so oder so ausgehen. In so einem Referendum, sollte die Landesregierung dieses in einer verbindlichen Form durchführen, könnte endlich einmal zum ersten mal seit 1918 die Klarkeit darüber geschaffen werden, ob Die Zukunft dieses kleinen Landes nördlich oder südlich des Brenners liegen würde. Eine andere Frage ist natürlich die, ob man so ein Votum in Rom überhaupt ernst nehmen würde. Die Frage der süd-tiroler Selbstbestimmung bleibt aber mit Sicherheit weiterhin offen. Dieses Land verabschiedet sich ohnehin langsam auf leisen Sohlen aus Italien. Wieviele Kompetenzen besizt noch Rom hier? Ich würde meine bald fast keine, ausser, dass das Land Süd-Tirol noch auf der Landkarte von Italien abgebildet werden muss. Grundsätzlich ist am Einfluss der italienischen Kultur nichts schlechtes, ganz im Gegenteil, Italien ist ein trotz aller Mängel (welches Land ist schon auf dieser Welt perfekt) ein wunderschönes Land und einer schönen Sprache und wunderbarer Kulturlandschaft aber wenn manche Italiener Süd-Tirol so heiss lieben, dann sollen sie die Italianitá den Süd-Tirolern nicht aufdrängen, sondern so wie vieleicht jezt der Fall schon ist, dank dem Einfluss der EU, dass jeder Mensch frei entscheiden kann, ob er diesesen italienischen Einfluss in seiner Umgebung haben will oder nicht, auch oder vor allem im Hinblick auf die weitere Zukunft des Landes Süd-Tirol. Die Süd-Tiroler sind bekanntlich keine Italiener, sondern in erster Linie eben Süd-Tiroler und betrachten nach bevor das Land Österreich als ihr eigenes Vaterland und nicht Italien. Ich vermute, dass nach einer gelungenen Selbstbestimmung für dieses Land wahrscheinlich gerade die Italiener stark davon profitieren würden. Dieses "Disagio" würde endlich aufhören genauso wie die in diesem Land vorgegebene Sprachgruppentrennung. Das Land würde so oder so in weiterer Folge zwei oder dreisprachig bleiben. Es sollte aus meiner Sicht den Süd-Tirolern freigestellt werden, wieviel Einfluss aus Italien sie selbst in ihrem eigenen Land haben wollten. Der jetzige Status quo oder die Selbstbestimmung sind zwei mögliche Optionen für die Zukunft in der EU freier Völker für dieses Land und ob sie sich danach als ein 10. Bundesland an Österreich anschliessen würden, oder ihre vorhandene Identität als Süd-Tiroler ihnen mental einen Zusammenschluss mit dem österreichsichen Bundesland Tirol ermöglichen würde, das müssten die betroffenen Menschen selbst entscheiden können, wenn man sie nur liesse. Aus heutiger Sicht liegt die Wahrheit meiner Meinung nach in der Mitte. Nicht entweder oder sollte in Süd-Tirol denbar sein, nämlich entweder Italien oder Österreich, sondern vieleicht sowohl als auch, d.h. ein Land Tirol bestehend aus der AP Bozen und dem Bundesland Tirol unter der Schirmherrschaft von Italien und Österreich, aber mit einem echten Landtag-en und anderen Befugnissen der Landesregierung-en, die in diesem geteilten Land bei der Bevölkerung endlich das Gefühl der wiederhergestellten gesamttiroler Identität in einem zusammenwachsenden Europa nach der langen Trennung langsam wieder erlebmar machen würden. Das wäre meine Vision für die derzeit vieleicht mögliche Selbstbestimmung für das Land.

16.04.2007
E.Ekat, München

@Karl, Oetztal, ich stimme Ihnen zu, was die bisher noch zu knappe Mehrheit anbelangt. Das genau ist der Grund, warum man heute nicht abstimmen kann, der Wahlausgang wäre zu ungewiß. Sie sehen die Entwicklung zu einer zukünftigen Mehrheit für eine Landeseinheit voraus. Dies wäre nur denkbar im Rahmen eines Anschlußes an Österreich. Wenn dies, wie sie schreiben, bereits "sicher ist", dann soll mir das recht sein. Den Südtirolern muß nur klar sein - und es wird ihnen bei einer ernsthaften Vorbereitung einer Abstimmung klarer werden - daß Ihnen als zukünftiges österreichsiches Bundesland kein Sonderstatus mehr zusteht. Daß sie also einiges aufgeben werden. Denn Österreich wird es sich nicht leisten, Nordtirol und Südtirol zu vereinen innerhalb des eigenen Staatsgefüges, und diesem vergrößerten Bundesland dann Autonomierechte zuzubilligen. Die Südtirol sich heute gegenüber Italien gesichert hat. Österreich würde ansonsten den eigenen Durchgriff auf Nordtirol verlieren. Bis zum heutigen Tage ist die Diskussion von Sehnsucht getragen. Der zu zahlende Preis einer Wiedervereinigung wird dabei bisher noch nicht erörtert. Die Vorteile, die Südtirol im Moment hinzunehmen hat müssen dann aufgewogen werden gegenüber den Nachteilen die sich dann einstellen werden. Zumindest wirtschaftliche Nachteile haben sie in Südtirol im Moment nicht. Auch sind die Grenzen offen. Es bestehen auch keinerlei Zugangs-Beschränkungen oder Bewegungs-Einschränkungen. Man wird dann sehen müssen, was sie mit einer angestrebten Veränderung bewirken können, verändern, und welchen Preis die Mehrheit der Bevölkerung für welche Veränderung hinzunehmen bereit ist. Ich bin mir nicht sicher, ob der Wunsch nach Löslösung von Italien dann nicht doch eher zu einer bevorzugten Verselbständigung Südtirols führen wird. Dem sich dann das österreichsiche Nordtirol anschließen könnte. Schaun wir mal.

13.04.2007
Karl, Oetztal
@E.Ekat: Sie reden von heute. Herr Anton, redet aber von morgen. Eines ist sicher: alles wird sich ändern. Bis jetzt wurde Tirol in süd-TIROL immer stärker. Also nützt es nicht von heute zu reden.
Dabei gibt es laut Umfragen heute schon eine Mehrheit für eine Landeseinheit, nur sie ist noch zu knapp.
12.04.2007
E.Ekat, München
Bitte entschuldigen Sie, ich kann das unmöglich alles lesen, was Sie da schreiben. Soviel: Ich kenne die Grundsatzerklärung des Bozner Landtages, und er findet meine volle Sympathie. Die Schlüsse, die sie aus dem Landtagsbeschluß zu ziehen belieben sind andere als jene, die ich damit verbinden kann. Es handelt sich nicht um ein Votum zum Anschluß an Österreich, @ Anton. Es gäbe dafür keine Grundlage, keine Mehrheit in der Bevölkerung. Solange sich dies so verhält, wäre die Durchführung einer Volksabstimmung äußerst riskant und womöglich kontraproduktiv. Haben wir hier alles schon diskutiert. Noch so wortreiche Erklärungen, noch so fragwürdige Interpretationen einer Spontan- Umfrage auf einer Internet- Seite können an den herrschenden Mehrheitsverhältnissen in der Bevölkerung etwas ändern, @ Anton.
12.04.2007
Anton, St. Jakob

@E.Ekat aus München. Ich möchte Sie gerne auf den Grundsatzbeschluss des Bozner Landtages vom 07.02.2007 erinnern, indem sich so gut wie alle Parteien der deutschsprachigen Mehrheit in der Autonomen Provinz Bozen gegen die Grundsatzerklärung zum definitiven Verbleib des Landes Süd-Tirol bei Italien ausgesprochen haben und in diesem Sinne auch zu 2/3 abgestimmt haben. Ich möchte Sie an die Petition der Süd-Tiroler an den österreichischen Bundeskanzler Leopold Figl aus dem Jahre 1946 hinweisen, die so gut wie von allen mündigen Bürgern dieses Landes damals unterschrieben worden ist und zwar mit der klaren Forderung nach Selbstbestimmung und Landeseinheit Süd-Tirols mit Nord-und Ost-Tirol. Bitte nicht vergessen die Petition der Bürgermeister der süd-tiroler Gemeinden, fast von allen unterschrieben und an den österreichischen Nationalrat gerichtet vom vergangenen Jahr: "1946 - 2006, 60 Jahre verwehrter Selbstbestimmung für das Land Süd-Tirol". Sind das alles glückliche "Italiener " aus Alto Adige gewesen, denen es an nichts fehlt? Warum rufen sie permanent nach Gerechtigkeit seit so vielen Jahren? Den Namen des Landes darf man bis heute nicht einmal in italienischer Übersetzung als Sudtirolo amtlich verwenden. Der deutsche Name wird von Italien nur geduldet, mehr nicht. Es wird Sie nicht verwundern, dass der Staat Italien jeden Tag und mit allen Mitteln für seinen Standpunkt in allen diesen Fragen national und international werben kann, das Land um Bozen hingegen nur in einer sehr stark eingeschränkten Form. Das Vaterland Österreich tut für die Süd-Tiroler was in seiner Macht steht, aber auch diesem Vaterland ist nicht möglich aus verständlichen Gründen Werbung für die Selbstbestimmung der Süd-Tiroler zu betreiben. Der Wille dazu muss unmisverständlich und klar und für alle in der EU sichtbar aus den Reihen der Süd-Tiroler selbst kommen und das passiert auch. Diese Strömung wird sich wahrscheinlich mit der Zeit verstärken. Ich als Beobachter des politischen Geschehens reflektiere nur das, was ich selber darüber weiss und was ich in meinem Freundeskreis an Stimmungen und Meinungen erfahre. Die von mir zitierte Meinungsumfrage der SVP ist eine von vielen, die das gleiche an empirischen Ergebnissen brachte. Dieser Wunsch und der Wille zur Veränderung des politischen Status des Landes kommt aus der Bevölkerung selbst und zwar im gleichen Takt, wie die Integration der EU voranschreitet. Dieser Wille zur Einheit des Landes in Süd- Nord- und Ost-Tirol ist spontan und wird von niemand gesteuert. Die politischen Parteien in Süd-Tirol reagieren eher zögerlich darauf, weil sie wohl ihre Glaubwürdigkeit in der Bevölkerung nicht verlieren wollen. Österreich als Schutzmacht will sich sicherlich nicht international dem Vorwurf aussetzen, man würde die Süd-Tiroler von Italien abwerben wollen, aber man wird diesen Ruf nach Selbstbestimmung nach meinem dafürhalten hören und dementsprechend auch respektieren, sollte dies einmal in einer verbindlichen Form oder europäisch zulässigen Rechtsnorm in Süd-Tirol geschehen. Rom und Wien schauen heute dem eher verwundert zu und fragen sich wie Sie E.Ekat aus München warum die Süd-Tiroler nicht alle restlos mit ihrer Lage glücklich sind. Das Glück und Freiheit kann man nicht um´s Geld kaufen oder amtlich verordnen. Ein Land, dass über 1000 Jahre ungeteilt gewesen ist, kann die Teilung nicht so bald überwinden. Der Gebirgszug Brenner bildete niemals eine Grenze zwischen zwei Staaten, erst seit 1918 ist es der Fall. Wissen Sie, solange die italienischen Nachbarn in Brixen oder bei Meran und anderswo, wie ich aus persönlichen Berichten weiss, gleich die Carabinieri holen, wenn ein Süd-Tiroler an seinem tiroler Feiertag die rot-weiss-rote Fahne bei seinem Haus aushängt und die Carabinieris ahnden das als ein Vegehen gegen die öffentliche Sicherheit, dann haben Sie gleich die Antwort darauf, wie gut es um den guten Willen Italiens in Alto Adige gegenüber der angestammten 70% tiroler Bevölkerungsmehrheit bestellt ist. Das erinnert mich persönlich an die Szene aus dem Hollywood-Filmklassiker "The sound of music", in dem es auch um die österreichische Fahne geht und zwar im Hause der Österreich-patriotischen Familie von Trapp bei Salzburg (übrigens eine zu 100% wahre Geschichte, die verfilmt wurde und jedem zum anschauen zu emmpfehlen), als die Nazis damals 1938 ihnen die Fahne verbieten wollten. Sie haben den Nazi-Terror, genauso wie damals viele Süd-Tiroler den italienischen Faschistenterror nicht ausgehalten und sind in die Schweiz geflüchtet und später in die USA ausgewandert, wo sie heute, soweit noch am Leben hochbetagt im US-Staat Vermont leben. Dieser Film ist auf der ganzen Welt sehr gut bekannt und wenn auch in Hollywoodmanier gemacht, dennoch ein bedeutender Film über die Zeitgeschichte und eine unbezahlbare permanente Werbung für Österreich als Land und seine Menschen. Die Österreicher im Bundesgebiet der Republik und die Menschen, die in Süd-Tirol sich selbst als österreichische Minderheit verstehen, sind keine "Schönwetternation", die bei einem Sturm umfällt und sich den neuen Verhältnissen anpasst. Die Österreich-Liebe der Süd-Tiroler und die Liebe der Österreicher für ihre Landsleute südlich des Brenners ist Ihnen sicherlich in München nicht entgangen. Menschen, die ein Volk sind, werden immer zueinander streben und sich nach einem gemeinsamen Leben als ungeteilte Nation sehnen. Nicht anders war es 1989 bei den Deutschen in Ost und West. Die Tiroler vor allem sind auch ein Volk und haben ein Bundesland in Österreich und in der Autonomen Provinz Bozen in Italien und wollen einmal in Europa freier Völker in einer Landeseinheit leben. Wer jemand glaubt, das wird einmal von alleine aufhören, der kann sehr lange warten, das wird nie geschehen. Italien möchte gerne so gesehen werden, wie Sie E.Ekat aus München diesen Staat in Süd-Tirol von heute sehen wollen. Die Wirklichkeit ist eine ganz andere. Abgesehen davon, dass sich in diesem Land bis heute die unverbesserlichsten italienischen Faschisten herumtreiben und die zugewanderten Politiker, wie Frau Biancofiore und andere die Süd-Tiroler ständig daran erinnern, dass sie hier "siamo in Italia, e in Alto Adige", aber nicht in Sudtirol sind, sowie jedes Entgegenkommen des Staates gegenüber der Landesregierung teuer abgekauft werden muss, wollen die Menschen vor allem frei und ohne wenn und aber über ihre eigene Zukunft bestimmen und zwar nicht in Italien oder als ein Teil davon, weil sie ganz einfach keine Italiener sind. Ganz geschweige davon, dass sie nie in einer Abstimmung zu dieser Frage aller Fragen in Süd-Tirol befragt worden sind. Dann dürfen Sie sich auch nicht wundern, dass die meisten Süd-Tiroler diesen Staat Italien in der Vergangenheit nie als ihren empfunden haben und nie empfinden werden. Die Selbstbestimmung der Völker in unseren Tagen ist langsam ein Menschenrecht geworden, das einklagbar geworden ist und auch bald in der EU einklagbar wird und so wie in Ost-Europa dieses Recht längst weitgehends verwirklicht wurde, wird das auch einmal in West-Europa geschehen. Warum glauben Sie in aller Welt, dass eine Staatsmacht in Italien gerade dieses Recht auf Selbstbestimmung für Süd-Tirol nicht zulassen sollte oder müsste? Hat dieser Staat nicht genug Probleme in den anderen Provinzen, wo fast alle Bürger nur italienisch sprechen? Was haben die Tiroler aus dem südlichen Teil des Landes an Italien oder seinem Volk verbrochen, dass sie über Generationen bitterst dafür bezahlen müssten? Ich für meinen bescheidenen Teil würde mir wenigstens ein Land Tirol unter Schirmherrschaft von beiden Staaten, Italien und Österreich heute wünschen. Es gibt auch ein gutes uns schönes Italien und zwar südlich der Salurner Klauser, das darf man nie vergessen. Für mich persönlich ist dies nördlich davon nicht der Fall, solange die Süd-Tiroler nicht frei sich zu einer von ihnen selbst gewollten Staatszugehörigkeit in einem Referendum oder in einer Volksabstimmung äussern dürften. Übrigens, die Tatsache, dass es den Menschen in der AP Bozen jetzt gut geht, die verdankt man dem "Pariser Vertag" von 1946 und dem blutigen Kampf um dessen Einführung in den 50-er und in den 60-ern und nicht im geringsten dem "guten Willen und der Grosszügigkeit" aus Rom. Man sagt in einem Sprichwort "die Mühlen Gottes mahlen langsam aber gerecht" und das trifft auch für dieses Land südlich des Brenners langsam aber sicher zu.

11.04.2007
E.Ekat, München

@Anton, Dies alles, was Sie da vortragen, soll geschehen aufgrund derartiger Internet- "Umfragen" ? Ich ziehe es vor, ernsthaftere Diskussionen zu führen. Darüber beispielsweise, wo die Chancen der Zukunft liegen, und wie man dorthin gelangen könnte, welche Bedingungen dazu erfüllt werden müssen, um dies erreichen zu können. Sie argumentieren nach hinten gerichtet und übersehen dabei, was sich in Europa, in Österreich-Ungarn, aber auch in Südtirol in den letzten 79 Jahren getan hat. Es ist wichtig, die eigene Geschichte, und die Brüche in dieser Geschichte zu kennen, und gelegentlich auch zu akzeptieren. Da tun Sie sich scheinbar schwer. Nachdem ich nun weiß, daß ich in Ihnen einen relativ jungen Mann vor mir habe, frage ich mich, welche alten Schlachten Sie da schlagen wollen. Es wird in Europa vermieden werden, neues Unrecht zu säen. Die Zukunft Südtirols liegt in den Händen aller Südtiroler, also z.B. auch der italienisch- sprachigen Minderheit. Wenn Sie die nicht ins Boot holen für eine gemeinsame Identität, so wird sich nichts Neues ergeben können. Was Sie anstreben, @ Anton, ist aus meiner Sicht zu recht chancenlos. Sie leben nicht in einem Status des Unterdrücktseins. Wenn Sie diesen Nimbus pflegen, so ist das eine Verhöhnung aller Menschen, die tatsächlich in Unterdrückung lebten. Das wird Ihnen jeder Politiker sagen, der in Europa Verantwortung trägt. Das mag in der Vergangenheit für Südtirol anders gewesen sein, heute ist das sicherlich nicht mehr der Fall. Zudem: Tirol war Bestandteil eines untergegangenen, monarchistischen, nicht mehr existierenden Vielvölkerstaates, das wollen wir bitte nicht vergessen. Darauf hatte schon Cossiga hingewiesen. Veränderungen im Status Südtirols kann es nur auf friedlichem Wege geben. Dies erfordert auf jeden Fall ein Höchstmaß an Übereinstimmung aller Beteiligter. Auf dem Wege dorthin scheint mir noch viel Arbeit vor Ihnen zu liegen. Darüber sollte man reden. Alles andere ist eigentlich unrealistisch.

11.04.2007
Anton, St. Jakob

Es geht bei diesem Prozess der europäischen und der Tiroler Einigung um keinen Anschluss an irgendeinen Staat, sondern um die Wiederherstellung der Einheit der heute geteilten tiroler Landesteile. Es schon klar, dass sich die Nord- und Ost-Tiroler in Österreich sehr wohl fühlen und dieses Land als ihr Vaterland empfinden, übrigens genauso wie die meisten Süd-Tiroler auch aber genuso richtig ist es, dass das Land Tirol eine über 1000 Jahre lange eigene Geschichte hat, die dieses Land vor über 700 Jahren dem Habsburgerreich zugeschlagen hat und historisch gesehen erst vor kurzer Zeit 1918 Italien dieses Land Tirol in mehrere Landesteile zerschlagen hat. Die meisten Süd-Tiroler von heute, aber auch viele Welschtiroler wollen ihre Landeseinheit mit den Tirolern aus dem Norden und Osten wiederhergestellt wissen, wenn man den Meinungsumfragen zu dieser Frage glauben möchte. Dabei ist vor allem Italien in der Pflicht im Rahmen der schon heute geltenden EU-Gesetze und Rechtsvorschriften diese Einheit, wenn auch in eingeschränkter Form zu ermöglichen. Wenn man das als eine Minimalforderung betrachtet, dann ist das bereits zu viel des guten verlangt und dem Staate Italien nicht zumutbar? Genauso war diesem Staat Italien in Tirol südlich des Brenners die Autonomie nach 1946 für die Provinz Bozen mit ihren Durchführungsbestimmungen "unzumutbar". Durch ein Leid und Blutopfer der Süd-Tiroler in den 1950-er und 60-er Jahren und durch den Verhandlungsgeschick und Beharrlichkeit der SVP in Italien selbst und der Schutzmacht Österreich vor der UNO könnte man letztenendes dieses Land mit seinem unverwechselbaren tiroler Charakter für die Nachwelt vor der Italianitá bewahren. Die Geschichte geht aber weiter. Wer sich auf dem erreichten ausruht, der hat den Anschluss an die Zukunft verloren. Tirol isch lei oans, egal wo in diesem geteilten Land. Die Geschichte des jetzigen italienischen Nationalstaates ist erst cirka 150 Jahre lang, die Geschichte des Landes Tirols hingegen fängt im 9. Jahrhundert an und es wird wieder einmal ein ungeteiltes Land Tirol geben, in unserer Zeit vieleicht dank dem segensreichen Einfluss der Europäischen Union und des von oben verordneten Einigungsprozesses.

11.04.2007
markus, plaus
eben, verweigert uns italien seit 80 jahren das selbstbestimmungsrecht..aber jetzt ist die zeit gekommen...die verweigerung wird nicht mehr akzeptiert.
10.04.2007
E.Ekat, München
Nur zur Umfrage: wenn das so ist, dann steht ja einem Anschluß Südtirols an Österreich nichts mehr im Wege.
10.04.2007
Anton, St. Jakob

@ E.Ekat, München. Angaben über die Informationsquelle: www.svpartei. org ,dann die Rubrik Umfragen suchen und "bisherige Umfragen" anklicken, dann "Ihre Zukunftsfision für Südtirol" vom 05.09.2006 suchen und anklicken. Ergebnisse anschauen; 61% aller Menschen in Südtirol wollten zurück zu Österreich, ca 20% bessere Autononie, ca 18% einen Freistaat Südtirol haben. Ich würde meinen nur die Landesregierung könnte zum gegebenen Zeitpunkt einen Termin zur Abstimmung oder Volksbefragung zu dieser für das Land schicksalhaften Frage der angestrebten Landeseinheit ansetzen und diese auch durchführen. Alle im Bozner Landtag vetretenen Parteien könnten dann ihre Konzepte ausarbeiten und für diese propagandistisch, wie in einem Wahlkampf üblich auch werben. Möglichkeit A: Alles bleibt wie es ist und lediglich die Autonomie bleibt erhalten, wie sie jetzt ist. Möglichkeit B: Eine Landeseinheit von Süd- Nord- und Ost-Tirol nach dem Prinzip zwei EU-Staaten - Ein Land Tirol unter der Schirmherrschaft von Italien und Österreich, Möglivhkeit C; Landeseinheit mit Nord- und Ost-Tirol aufgrund des Prinzips der Selbstbestimmung der Völker, könnte aber viel später in einem neuen Referendum mit Zustimmung aller beteiligten Parteien durchgeführt werden und sollte sich in daraus eine absolute Mehrheit für die Landeseinheit der deutschsprachigen Tiroler im Bundesland Tirol und in der Autonomen Provinz Bozen ergeben, dann müsste man das auch in die politische Wirklichkeit auf der lokalen, der nationalen und der EU-Ebene umsetzen. Die Volkbefragung gerade zu dieser Frage würde beide Unterzeichnerpartner des Autonomie-Vertrages von Paris 1946, Italien und Österreich tangieren, und müsste daher von beiden sorgfältig vorbereitet und in einer für alle akzeptablen Form beschlossen werden. Die Landtagswahl 2008 wäre z.B. so eine Möglichkeit über die Möglichkeit A oder B abzustimmen. Eine Volksbefragung ist für den Gesetzgeber nicht bindend, könnte aber eine wichtige Entscheidungs- und Argumentationshilfe lokal, national und international darstellen. Wer die Tiroler Einheit will, der muss sich mit erlaubten Mitteln im Rahmen des heute politisch möglichen auch dafür einsetzen. Das Nachbarland Österreichs, Italien könnte endlich seinen Teil dazu beitragen, dass alle Tiroler in Süd Nord und Ost eine politische Gemeinschaft begründen dürften, die zum jetzigen Zeitpunkt schon politisch und völkerrechtlich möglich wäre. Der Prozess der europäischen Einigung darf gerade am Brenner kein Halt machen! Es ist ein dynamischer Prozess, indem es auch auf die zum richtigen Zeitpunkt handelnden Personen und Parteien ankommen kann. Ich denke da persönlich an Ein Tirol in zwei EU-Ländern. Es wäre sehr wahrscheinlich eine klassische win-win Situation für alle beteiligten Parteien. Eine überregionale Zusammenarbeit in heutiger Form über die Grenzen der geteilten Tiroler Heimat bietet aber dafür keinen echten Ersatz. Es müsste eine echte neue Brücke über den Brenner sein, die nicht nur allen Tirolern ein Zusammenwachsen zu einer Landeseinheit ermöglicht, sondern auch den Menschen italienischer Nationalität in Süd-Tirol keine Angst macht, dass sie durch diesen neuen Status Süd-Tirols eine Verschlechterung ihrer Situation erleben würden. Ganz im Gegenteil, duch den Ausgleich der Interessen in Tirol würden Italien und Österreich ein positives Beispiel für eine Konfliktbeilegung für die ganze Welt anschaubar machen und allen drei Sprachgruppen in Süd-Tirol zwischen Salurn und Brenner, zwischen Kufstein und Salurn eine noch bessere Zukunft im Umgang miteinander bringen. Wie das gehen sollte, darüber sollten sich die Politiker in Rom, Wien, Bozen, Innsbruck, Trient und Brüssel den Kopf zerbrechen, sie werden ja für ihren Schweiss von den EU-Bürgern dafür bezahlt. Ein separates Kapitel stellt die Tiroler Einheit im Hinblick auf Welschtirol dar, sprich das Land Trentino. Das müssten aber die Welschtiroler in einer demokratisch legitimierten Mehrheit für sich selbst entscheiden. Gerade jetzt will wieder ein Teil des alten Tirol zurück zur alten Heimat, nämlich die seinerzeit vom Land 1918 abgetrennte Gemeinde Cortina d´Ampezzo zurück zu Süd-Tirol. Ein Referendum zu dieser Frage wird dort wahrscheinlich im Herbst 2007 stattfinden. Sollte es positiv für die Alt-Tiroler aus Cortina ausgehen, dann wird realpolitisch wieder ein Stück der historischen Gerechtigkeit geschaffen. Hoffentlich auch einmal in Form einens Referendums auch für das Land Süd-Tirol. Wenn weir alle in der EU zu einem Gemeinwesen und einem freien europäischen Volk zusammenwachsen sollten, dann könnten schon längst gerade die Tiroler damit endlich anfangen.

06.04.2007
E.Ekat, München
@Anton, St. Jakob.
Zitat: „So ähnlich waren die Ergebnisse der SVP-Umfrage vom September 2006, wonach 61% der Süd-Tiroler zurück zu Österreich wollten“. Zitatende. Frage an Sie: Wo haben Sie das denn her? Sie verwechseln da wohl etwas. Das ist eher der Bevölkerungsanteil, der in Süd-Tirol gegen Zugehörigkeit zu Italien stimmen würde.