Der Pariser Vertrag gilt als erster Schritt hin zur heu- tigen Autonomieregelung für Südtirol. Am 5. Septem- ber 1946 unterzeichneten der damalige italienische Mi- nisterpräsident Alcide Degasperi und der damalige ös- terrreichische Außenminister Karl Gruber dieses Ab- kommen. Die Silvius-Magnago-Akademie hat aus die- sem Anlass die wichtigsten Ereignisse rund um dieses für Südtirol so wichtige Abkommen in einer Broschüre zusammengefaßt.
Die Ansprache von Landeshauptmann Luis Durnwalder anläßlich des Festaktes im Südtiroler Landtag zum herunterladen
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Die Würfel um die Zukunft Südtirols nach dem Zweiten Weltkrieg fielen auf der Konferenz der Außenminister der Siegermächte vom 11. bis 14. September 1945 in London. Südtriol sollte demnach bei Italien bleiben. Erst im Mai 1946 wur- de dieser Beschluss öffentlich. Damit erfuhren Österreich und Südtirol, wo sich die Menschen große Hoffnungen auf eine Angliederung Südtirols an Österreich ge- macht hatten, erst ein halbes Jahr nachher von diesem schicksalshaften Be- schluss.
Die Engländer hatten wegen ihrer Südtirolentscheidung ein schlechtes Gewissen. Im Unterhaus regnete es Proteste. Die Öffentlichkeit war empört. Um die Wogen zu glätten, setzte sich Außenminister Ernest Bevin, zusammen mit seinem ame- rikanischen Kollegen Byrns dafür ein, dass Österreich auf der Friedenskonferenz noch einmal seinen Standpunkt vorbringen könne.
Parteiobmann Erich Amonn und seine engsten Mitarbeiter gaben sich nicht der Selbsttäuschung hin, dass man von der Friedenskonferenz, die am 29. Juli 1946 in Paris begann, eine Änderung der Entscheidung der vier Großen erwarten könne. Es müsste aber unbedingt eine internationale Vereinbarung zum Schutze der Süd- tiroler Volksgruppe erreicht werden, um nicht wie 1919 mit leeren Händen dazu- stehen. Als Berater der von Außenminister Karl Gruber geführten österreichischen Delegation entsandte die Partei die beiden späteren Parlamentarier Dr. Otto v. Guggenberg und Dr. Friedl Volgger zur Friedenskonferenz.
Die beiden Südtiroler suchten alle Delegationen auf. Das Ergebnis der Unterre- dungen lautete, dass der Beschluss der Großmächte nicht rückgängig gemacht werden könne. Der einzige Ausweg bestehe in dem Abschluss eines Vertrages zwischen Italien und Österreich, der in den Friedensvertrag eingebaut würde.
Hinter den Kulissen hatte bereits eine Fühlungnahme zwischen Österreich und Italien zum Abschluss einer solchen Vereinbarung eingesetzt. Nach mehrmaligem Austausch von diplomatischen Noten kam es am 5. September 1946 zwischen den beiden Regierungen von Rom und Wien zu einem Abkommen, das als „Pariser Vertrag“, als "Pariser Abkommen" oder als "Gruber–Degasperi-Abkommen“ in die Geschichte eingegangen ist, nach den Namen der Staatsmänner, die es unter- zeichneten: dem italienischen Ministerpräsidenten und Außenminister Alcide De- gasperi und dem österreichischen Außenminister Karl Gruber.
Das Abkommenzwischen Gruber und Degasperi, das nur zwei Seiten um- faßt, wurde in englischer Sprache unterzeichnet. Für seine Auslegung sind außer dem englischen Wortlaut auch der französische und russische Text (Amtssprachen der Friedenskonferenz ) maßgebend.