Netzwerk baut an einem Kompetenzzentrum - Erfolgreiche Auftaktkonferenz in Eupen
Die Vizepräsidentin der Föderalistischen Union Europäischer Volksgruppen (FUEV) Martha Stocker hat kürzlich an der ersten Regionalkonferenz des Netzwerkes „RML2future“ – Netzwerk für Mehrsprachigkeit und sprachliche Vielfalt in Europa in Eupen (Belgien) teilgenommen, an dem rund 60 Vertreter/innen aus verschiedenen Regionen Europas zusammengefunden haben. Stocker hat das Projekt von Anfang an unterstützt und mit auf den Weg gebracht. Zum wertvollen Erfahrungsaustausch haben sich auch Vertreterinnen der Südtiroler Schulämter, der pädagogischen Institute, des Amtes für Zweisprachigkeit, sowie der Europäischen Akademie eingefunden.
Es war die erste Konferenz des Netzwerkes, das sich - unter Federführung der FUEV (Föderalistische Union Europäischer Volksgruppen) - zum Ziel gesetzt hat, die Mehrsprachigkeit und sprachliche Vielfalt in Europa zu fördern und dabei einen besonderen Fokus auf die Regional- und Minderheitensprachen zu legen.
„Wir haben uns in Eupen getroffen, um uns eines unserer Schwerpunktthemen, nämlich die Sprachzertifizierung und Überprüfung von Sprachkompetenzen, zu widmen“, erklärt Projektmanagerin Judith Walde, die den weiteren Hauptpfeiler des gelungen Auftakttreffens und den Grundgedanken des Netzwerkes „RML2future“ erläutert: „Wir haben drei Jahre Zeit erhalten, um ein Kompetenzzentrum für die Regional- und Minderheitensprachen zu etablieren. Dafür benötigen wir ein starkes, motiviertes Netzwerk aus den verschiedenen Regionen Europas, dies wollten wir in Eupen auf den Weg bringen.“
An der Konferenz nahmen Vertreter aus der Lausitz, dem deutsch-dänischen Grenzland und aus Nordfriesland in Deutschland, aus Südtirol in Italien, aus Kärnten und dem Burgenland in Österreich, aus Westfriesland in den Niederlanden und der Deutschsprachigen Gemeinschaft in Belgien teil. „Wir hatten eine sehr gute, konstruktive Konferenz. Es ist uns gelungen, Praktiker und Wissenschaftler an einen Tisch zu bekommen. Unser Fokus ist hierbei vor allem, wie unser Netzwerk und später auch das Kompetenzzentrum praxisorientiert etwas Gewinnbringendes für die Regional- und Minderheitensprachen in Europa leisten kann“, so Edgar Hungs, Leiter der Europäischen Bildungsagentur in der Deutschsprachigen Gemeinschaft und Vertreter im Netzwerk „RML2future“ zu den Zielvorgaben der eigenen Arbeit.
Die Deutschsprachige Gemeinschaft (DG) Belgien gilt zu Recht - davon konnten sich die Teilnehmer persönlich überzeugen - als gutes Beispiel im Bereich der Sprachzertifizierung einer kleinen Sprach-Gemeinschaft. Der Bildungsminister der DG, Oliver Paasch, - der seines Zeichens auch Schirmherr des Schwerpunktes Bildung im Rahmen der FUEV-Arbeit ist - erläuterte die „wissensbasierte Bildungspolitik als Leitlinie des politischen Handelns“, welches man auf empirische Daten stützen müsse. Folgerichtig hat man in Eupen viele Erfahrungen im Bereich der Sprachzertifizierung gesammelt und entwickelt die entsprechenden Verfahren laufend weiter.
Die Gäste - unter ihnen waren Lehrer, Kindergärtnerinnen, Vertreter aus Schulämtern, Politiker, Wissenschaftler etc. konnten sich in weiteren Workshops zum Europäischen Sprachenpass, der Sprachstandserhebungsverfahren und zur Vermittlung von Sprachen im Allgemeinen informieren.
Johan Häggman, noch-Kabinettsmitglied des scheidenden EU-Kommissars für Mehrsprachigkeit Leonard Orban, erläuterte in einem Vortrag die Politik der Mehrsprachigkeit in der Europäischen Union. Die große Bedeutung der Mehrsprachigkeit sei, so Häggman, in der EU ein klar definiertes Ziel und von großer Wichtigkeit, nicht zuletzt im Bereich der wirtschaftlichen Konkurrenzfähigkeit im Zeichen der Globalisierung. Es hapere dahingegen manchmal in der Erkenntnis, dass auch die Regional- und Minderheitensprachen über ihre kulturelle Bedeutung hinaus, für die EU von Interesse seien.
„Der Austausch und das Zusammenspiel von Ergebnissen wissenschaftlicher Studien und Praxis sind maßgeblich für den Erfolg einer erfolgreichen Minderheitenpolitik“, ist Martha Stocker überzeugt und sieht darin den Sinn des von ihr mit initiierten Netzwerkes.
Als Ergebnisse des Treffens wurden ebensolche Handlungsaufträge fachlicher und politischer Art festgehalten. Unter anderem wurden die Gründung eines europäischen Minderheiten-Lehrerverbandes, die Übersetzung des Sprachenpasses in die Regional- und Minderheitensprachen sowie Ideen für regionale Austausche und Kooperationen und konkrete Handlungsanweisungen für den Aufbau des Kompetenzzentrums festgehalten.
Die nächste Konferenz findet bei der der Højskolen Østersøen im Deutsch-dänischen Grenzland in Dänemark am Ende des Jahres 2010 statt.



