Handel ohne Visionen?
Die Neueröffnung eines bekannten Kaufhauses in Innsbruck, begleitet von sehr großem Medienecho, veranlasst in Südtirol leider zur Feststellung, dass hier alles unternommen wird, um eine ähnliche Initiative vergessen zu lassen. In dieser Hinsicht sind uns die Tiroler ohne jeden Zweifel voraus; in mancherlei anderer Hinsicht mögen sie hinterher hinken, aber das ist ein schwacher Trost.
Während unser Handel, trotz aller seiner wertvollen Initiativen, in dem einen Punkt „Kaufhäuser“ Visionen vermissen lässt, wohl in der Hoffnung, dass das Problem einschlafen wird, marschiert Innsbruck munter weiter und öffnet seine Tore und seine Geschäftskassen auch der Südtiroler Kundschaft. Diese neue Attraktion nördlich des Brenners wird wiederum viele Südtirolerinnen und Südtiroler anziehen, und sie werden Kaufkraft aus unserem Land nach Norden tragen. Zudem entgehen die Steuern unserem Landeshaushalt; sie würden für soziale Zwecke dringend benötigt.
Unserer Volkswirtschaft fehlt dann beides.
Das ist keine erfreuliche Entwicklung. Sie ist es umso weniger in einer Zeit, wo die einheimische Volkswirtschaft Bedarf an Kaufkraft hat, wo preisgünstige konzentrierte Angebote auch für viele Familien, die sich heute schwer tun, eine Hilfe darstellen könnten.
So sehr wir uns also über den Fortschritt unserer nördlichen Freunde auch freuen mögen, ein Wermutstropfen bleibt, und der ist bitter: Der Südtiroler Handel tritt auf der Stelle, während die anderen nach vorne laufen. Das ist ein deutlicher Mangel an Visionen, vielleicht auch ein Mangel an sozialpartnerschaftlichem Denken.
Seit Jahren weise ich auf diese Thematik hin. Ich glaube nicht, dass die Südtiroler Arbeiterschaft, die am meisten unter der schwindenden Kaufkraft leidet, für diese Versäumnisse Verständnis aufbringt.



