SVP-Anfrage zu La-Loggia-Äußerungen - Brugger: „Inakzeptable Geisteshaltung“
Völlig unbefriedigend ist für SVP-Obmann und Kammerabgeordneten Siegfried Brugger die Stellungnahme, die Regionenminister La Loggia in Bezug auf seine Äußerungen über den deutschen Namen SVP abgegeben hat. Und Minister Carlo Giovanardi ging heute überhaupt nicht auf das Thema ein. Brugger: „Es steht also nach wie vor eine Aussage im Raum, die von einer Geisteshaltung zeugt, welche für uns Südtiroler inakzeptabel ist.“
Die Vorgeschichte ist bekannt: Regionenminister Enrico La Loggia hatte bei einer Wahlkampfveranstaltung von Forza Italia in Südtirol erklärt, er könne es nicht akzeptieren, dass Parteien im italienischen Staat deutsche Namen trügen – und nannte die SVP “Partito Popolare Altoatesino“. In einer Anfrage hatte Brugger heftige Kritik an dieser Aussage geübt und wollte wissen, ob dies die offizielle Meinung der Regierung sei.
Sowohl die Stellungnahme von Minister La Loggia als auch jene des Ministers für die Beziehungen zum Parlament, Carlo Giovanardi, sind aus der Sicht Bruggers „völlig unbefriedigend“: „Minister Giovanardi ging überhaupt nicht auf das Thema ein, sondern unterstrich allgemein die Bedeutung der Zweisprachigkeit – was mit der getätigten Übersetzung eines Eigennamen nichts zu tun hat. Und Minister La Loggia hat in seiner Antwort auch nicht das Kernproblem angesprochen.“ Dabei sei seine Aussage „äußerst schwerwiegend und beleidigend für die deutschsprachige Minderheit“: „Es ist der Beweis für fehlende Sensibilität eines Ministers, der Südtirol eigentlich sehr gut kennt, da er seit vielen Jahren hier Urlaub macht. Zudem steht die Aussage im Widerspruch zum Art. 6 der Verfassung, der besagt, dass die Republik die sprachlichen Minderheiten schützt“, erklärte Brugger.
In seiner Stellungnahme führte Brugger weiters ins Feld, dass die SVP seit ihrer Gründung im Jahr 1945 Südtiroler Volkspartei heißt: „Es handelt sich um einen Eigennamen, der so wie Personen-, Familien- oder Ortsnamen unübersetzbar ist.“ Den Namen SVP zu übersetzen, sei absurd: „Auch uns wäre nie im Traum eingefallen, Forza Italia in Vorwärts Italien oder Alleanza Nazionale in Nationale Allianz umzutaufen.“
Brugger: „La Loggias Äußerungen zeugen von einer nationalistischen Geisteshaltung, die für uns inakzeptabel ist und von der wir eigentlich gehofft hatten, dass sie überwunden wäre. Dabei wurde sie heute im Zuge der Debatte über die europäische Minderheitencharta noch von einem weiteren Abgeordneten der Mehrheit bestätigt.“ Brugger weiter: „Wir Südtiroler sind bei derartigen Äußerungen besonders sensibel. Die Geschichte des vergangenen Jahrhunderts – und insbesondere die Zeit des Faschismus – hat uns gelehrt, wachsam zu sein: Damals wurde uns der Schulunterricht und der Gebrauch der Muttersprache verboten, die gewachsenen Ortsnamen wurden ausgelöscht und durch italienische Wörter ersetzt, Namen und Familiennamen italianisiert... Ich hoffe wirklich, dass wir uns in Zukunft nie wieder mit derartigen Aussagen und Themen befassen werden müssen – in einer Zeit des offenen Europa und des Falls der Grenzen und in einer Zeit, in der das Parlament selbst einer eigenen Gruppe für sprachliche Minderheiten Raum gegeben hat, die jenseits der Gruppen der politischen Parteien arbeiten kann.“
16.10.03 -
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