"SVP strebt Lösung im europäischen Geiste an"
Die SVP-Spitze nimmt zu den Aussagen von Andreas Khol zur Doppelstaatsbürgerschaft in der Freitagausgabe der Tiroler Tageszeitung Stellung. Der ehemalige österreichische Nationalratspräsident (ÖVP) hält die Forderung nach einer Doppelstaatsbürgerschaft für „nicht sinnvoll, gefährlich und undurchsetzbar.“ „Diese Ansicht können wir nicht teilen“, unterstreicht der Obmann der Südtiroler Volkspartei, Richard Theiner. „Wir interpretieren eine mögliche Doppelstaatsbürgerschaft als eine Lösung im europäischen Geiste, da diese die Grenzen der Nationalstaaten in den Hintergrund rücken würde.“
„Mit einer solchen Lösung werden keine bestehenden Grenzen verschoben und keine neuen Grenzen aufgebaut“, erklärt SVP-Obmann Richard Theiner. Die Doppelstaatsbürgerschaft wäre im Sinne eines modernen und offenen Europas, in dem Völker und Minderheiten friedlich nebeneinander leben. Sie sei eine kulturelle und historische Bereicherung.
Die SVP-Kammerabgeordneten Siegfried Brugger und Karl Zeller, die sich seit Jahren mit der Frage der Doppelstaatsbürgerschaft beschäftigen, zeigen sich über die Aussagen Khols verwundert. Dieser wisse genau, dass Italien die Doppelstaatsbürgerschaft für Italiener in Istrien und Dalmatien eingeführt hat. „Wir verlangen nichts anderes, als Italien seiner eigener Minderheit bereits zugestanden hat“, unterstreicht Kammerabgeordneter Brugger. In diesem Sinne sei nicht nachvollziehbar, warum die Frage zu großen Spannungen zwischen Österreich und Italien führen solle. Brugger führt zudem das Beispiel der Bewohner von Dreizehnlinden in Brasilien an, von denen ein Großteil die brasilianische und die österreichische Staatsangehörigkeit hat, zumal es sich um ausgewanderte Tiroler handelt.
Kammerabgeordneter Karl Zeller betont, dass die Doppelstaatsbürgerschaft die völkerrechtlich verankerten Schutzbestimmungen für die deutsche und ladinische Minderheit nicht betreffe. „Wenn schon bedeutet die Doppelstaatsbürgerschaft eine Stärkung unserer Minderheitenrechte.“, ist Zeller überzeugt. Österreich müsse sich in dieser Frage nicht auf Spannungen mit Italien einstellen, zumal Italien keine Argumente dagegen hat, was auch durch Aussagen gewichtiger italienischer Volksvertreter untermauert würde.



