IT | EN | Ladin
Wirtschaftsmotor Tourismus
Wirtschaftsmotor Tourismus
05.02.10 - Diskussionsveranstaltung
Daheim im Ferienland

Am Samstag, dem 06.02.2010, organisierten die SVP Arbeitnehmer und die SVP Wirtschaft im Pustertal eine Informationsveranstaltung mit dem provokanten Titel „Daheim im Ferienland – Wie gut geht es uns hier daheim?“. Zu diesem Thema luden die Bezirksausschüsse der Sozialpartner Referenten aus den verschiedenen Bereichen des Tourismus ins Kolpinghaus von Bruneck.

Der Tourismus ist Südtirols stärkster Wirtschaftsmotor, bringt aber neben allen positiven Seiten manche Belastungen für Mensch und Natur mit sich. Diese Tatsache zum Anlass genommen war es der Pusterer Sozialpartnerschaft ein Anliegen über touristische Entwicklungen aus wirtschaftlichem Blickwinkel, aber auch aus der Sicht des einfachen Bürgers zu diskutieren. Es sei eine gemeinsame Herausforderung für Arbeitnehmer und Unternehmer die richtigen Schritte für die Zukunft zu setzen, so der Vorsitzende der SVP-Wirtschaft im Pustertal, Christian Gartner, und die Vorsitzende des Bezirkssozialausschusses, Margith Schnarf Niedrist.

Oswald Lechner, Direktor des Wirtschaftsforschungsinstitutes WIFO, erklärte anhand aktueller Statistiken, dass der Standort Südtirol im Wohlstandsranking keinen nationalen sowie internationalen Vergleich scheuen muss: „Südtirol ist im Bereich des Einkommens- und Lebensstandards immer im italienischen aber auch europäischen Spitzenfeld zu finden. Dazu hat der Tourismus einen wesentlichen Teil beigetragen.“ Es sei wichtig, so Lechner, dass die insgesamte Wertschöpfung durch den Tourismus optimiert wird: „Es muss uns in Zukunft gelingen die lokalen Kreisläufe, bei einheimischen Produkten aber auch bei den Beschäftigten, noch mehr zu stärken.“

Das Gastgewerbe sei der größte Arbeitgeber im Land, in dem es zudem in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten zu vermehrten Anstellungen von ausländischen Arbeitskräften gekommen sei, so Alfred Ebner, Gewerkschafter im AGB/CGIL. Dies habe mit den Expansionen im touristischen Bereich aber auch mit der steigenden Unbeliebtheit von Arbeitsplätzen im Gastgewerbe zu tun: „Der Tourismus bringt einige Belastungen mit sich, wie etwa saisonalbedingt intensive Arbeitsphasen, Arbeit an Wochenenden sowie Leistung zahlreicher Überstunden. Diese Belastungen sind immer weniger einheimische Arbeitskräfte bereit in Kauf zu nehmen.“, erklärte Ebner.

Hugo Götsch, Rektor am Sitz Bruneck der Freien Universität Bozen, betonte die Wichtigkeit einer Entwicklung im Tourismus: „Reichtum in einer Tourismusdestination ist kein Grund für Stillstand.“ Götsch warb aber für einen Tourismus, dessen Auswirkungen und Maßnahmen reversibel sein müssten. Konkret für den Tourismus im Pustertal schlug er die Einteilung in zwei Tourismusorganisationen vor: Pustertal und Alta Badia: „Es ist wichtig das Pustertal gemeinsam mit allen Wirtschaftssektoren als Marke aufzubauen, um den Bekanntheitsgrad und das Image zu stärken.“

Für mehr soziale Gerechtigkeit und eine verstärkte Berücksichtigung der Interessen des einfachen Arbeitnehmers machte sich Karl Gudauner, Direktor des Arbeitsförderungsinstitut AFI, stark. Gudauner kritisierte, dass man jedes Jahr neue Rekordnächtigungszahlen verbuchen könne, die Angestellten in der Gastronomie bei deren Löhnen davon aber kaum etwas zu spüren bekämen: „Die Lohnentwicklung sollte mit der Betriebsentwicklung gekoppelt sein.“ Guadauner lobte das hohe Qualitätsniveau in Südtirols Gastronomie, gab aber zu bedenken, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht immer ganz stimme, was direkte Folgen für den einfachen Bürger habe.

Alois Kronbichler, Tourismusberater der Firma Kohl und Partner, bezeichnete den Tourismus in Südtirol als nachhaltig: „Wir haben in Südtirol einen nachhaltigen und gesunden Tourismus, weil durch ihn Infrastrukturen entstanden sind, die allen etwas nützen, weil durch den Tourismus die Abwanderung gestoppt und Arbeitsplätze geschaffen worden sind und weil er mithilft Einkommen und Wohlstand zu garantieren.“ Kronbichler betonte aber, dass die Gastronomiebetriebe einem enormen Innovationsdruck unterliegen, der es notwendig macht, sich ständig weiterzuentwickeln.

Als besonderer Gast konnte Landeshauptmannstellvertreter und Landesrat für Tourismus Hans Berger begrüßt werden, der die gemeinsame Initiative der Sozialpartner im Pustertal lobte: „Es ist sehr gut, dass das Thema Tourismus von Arbeitnehmern und Wirtschaft gemeinsam diskutiert wird und dadurch das Gemeinsame und nicht das Trennende in den Vordergrund gestellt wird.“ Der Tourismus sei für Südtirol in den vergangenen Jahrzehnten zum wichtigsten Wirtschaftsmotor geworden: „Der Tourismus beschäftigt heute viele Leute, die vor wenigen Jahrzehnten noch ins Ausland gehen mussten, um Arbeit zu finden.“ Mit einem ungefähren Jahresumsatz von etwa drei Milliarden Euro sei der Tourismus ein unverzichtbares wirtschaftliches Standbein für Südtirol. Natürlich bringe der Tourismus auch einige Belastungen mit sich, aber das Positive überwiege zweifellos, so Berger.

In der von der Moderatorin Verena Pliger geleiteten Diskussion konnten die Anwesenden noch weitere interessante Aspekte mit den Referenten diskutieren.

Zum Abschluss der Veranstaltung wünschten sich alle Beteiligten, dass dieser gemeinsame Dialog zwischen den Sozialpartnern nur ein erster Schritt in Richtung einer dauerhaft gemeinsamen Zusammenarbeit war.
2012 - Südtiroler Volkspartei
YouTUBEFaceBook