Menschen mit Down-Syndrom dürfen nicht zur Zielscheibe werden
Landtag - Auf Anregung von Veronika Stirner Brantsch und auf Vorschlag von Präsident Dieter Steger haben die Fraktionsvorsitzenden im Südtiroler Landtag einstimmig ihre Entrüstung über jüngste menschenverachtende Provokationen im Internet bekundet und den betroffenen Mitbürgern ihre Solidarität ausgedrückt. Die Stellungnahme im Wortlaut.
Vor wenigen Tagen hat eine Internetseite in Italien und weit darüber hinaus für Entrüstung gesorgt. Auf einer Seite des Netzwerks Facebook wurde vorgeschlagen, Kinder mit Down-Syndrom als Zielscheiben in Schießständen zu verwenden, um sich ihrer zu entledigen. Nicht weniger schockierend ist, dass sich umgehend mehrere hundert Fans auf dieser Internetseite angemeldet haben, nur zum Teil aus Protest. Die Urheber dieser menschenverachtenden Provokation gaben sich natürlich nicht zu erkennen.
Ebenfalls vergangene Woche hat ein ähnlicher Fall zu einer gerichtlichen Verurteilung geführt. Drei Mitarbeiter von Google wurden verurteilt, weil sie ein Video nicht oder nicht schnell genug vom Videoportal Youtube entfernt haben. Darauf war zu sehen, wie ein Junge mit Down-Syndrom von Schulkameraden verhöhnt und geschlagen wurde. Die Jugendlichen, die ihren Stolz über ihre Tat mit der Veröffentlichung der Videoaufnahme im Internet bekundeten, konnten ausgeforscht werden und wurden bestraft.
Wir stehen fassungslos vor einer modernen Form von Barbarei, vor einer virtuellen Welt, in der Schwächere und Wehrlose nicht nur verhöhnt und misshandelt werden, in der man sich auch noch seiner Untaten brüstet, und das im Schutze der Anonymität. Böses zu tun und darüber auch noch zu reden, scheint zum gefährlichen Trend geworden zu sein – in der virtuellen wie in der realen Welt. Hier stehen Gesetzgeber und Erzieher, Justiz und Medien und schließlich alle, denen ihre Mitmenschen nicht gleichgültig sind, vor einer schweren Herausforderung.
Die Fraktionsvorsitzenden im Südtiroler Landtag verurteilen einhellig und kompromisslos diese feigen Akte der Menschenverachtung und sprechen den Betroffenen ihre Solidarität aus. Das Internet bietet viele Freiheiten, und das ist vor allem in jenen Teilen der Welt wichtig, wo den Menschen Freiheit vorenthalten wird. Zur Freiheit gehört aber auch Verantwortung, wenn wir daran nicht Schaden nehmen sollen, genauso wie wir Verantwortung tragen für unsere Mitmenschen und Mitbürger, besonders für die Schwächsten unter ihnen.



