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Georg Pardeller
Georg Pardeller
23.07.10 - Georg Pardeller zum Thema Wasser und Energie
Öffentliche Hand muss Kontrolle bewahren - Keine Spekulation mit strategischen Gütern

Die staatsweite Unterschriftenaktion gegen die Privatisierung des Trinkwassers hat gezeigt, dass die öffentliche Meinung gegen die Spekulation mit einem der kostbarsten Güter ist, welche der Menschheit zur Verfügung stehen. Auch in Südtirol haben sehr viele Bürgerinnen und Bürger den Antrag auf ein Referendum gegen die Entscheidung der Berlusconi-Regierung unterzeichnet, und es ist zu hoffen, dass der Volksentscheid dem unzumutbaren Vorhaben der Regierung Einhalt gebieten wird.
In Südtirol ist in den vergangenen heißen Wochen mit der großen Trockenheit der Wert des Wassers der Bevölkerung besonders zum Bewusstsein gekommen. Die allgemeine Stimmung des Volkes weist deutlich in Richtung „Hände weg vom Wasser“ seitens der Spekulation. Dies soll sowohl für das Trink- und Nutzwasser – Versorgung der Bevölkerung, Beregungswasser für die Landwirtschaft usw. – als auch für das Wasser als Energiequelle zur Erzeugung von Strom gelten. Die einheimischen sauberen und erneuerbaren Wasservorräte müssen auch mit ihrem Potential an technologischer Innovation und Schaffung neuer und sicherer Arbeitsplätze als strategisches Gut der gesamten Bevölkerung empfunden und gegen alle Angriffe privater Spekulation verteidigt werden. Es geht dabei um Überlebensquellen für die Bevölkerung und für die Volkswirtschaft insgesamt.
Unter diesem Gesichtspunkt müssen die verschiedenen Projekte, die immer wieder von privaten Spekulanten bezüglich Nutzung der heimischen Wasserressourcen zum Zwecke der Energiegewinnung vorgelegt werden, mit größter Vorsicht aufgenommen werden. Dieser Tage ist wiederum ein solches Vorhaben vorgestellt worden. Es weist eindeutig in die Richtung, dass sich finanzstarke Kreise ohne viel Rücksicht auf die Natur einheimischer Wasserkraft bemächtigen wollen, um ein Geschäft zu machen. Wenn dem nicht so wäre, würden solche Vorschläge gar nicht gemacht werden.
Trotz der auch in der EU eingeführten globalen Freizügigkeit muss die Politik in der Lage sein, extreme Entwicklungen im Interesse der Gemeinschaft zu verhindern. Die private Nutzung lebenswichtiger Energiequellen kann zu einem gefährlichen Spiel mit den strategischen Ressourcen werden, wenn nicht rechtzeitig Gegenmaßnahmen ergriffen werden. In entscheidenden Fällen muss das Volk befragt werden, ob es damit einverstanden ist, dass „sein Wasser“ und dadurch „seine Energie“ dem Gewinnstreben Einzelner ausgeliefert werden können. Eine solche Entwicklung wäre mit der sozialen Funktion vitaler Ressourcen nicht vereinbar. Dem sozial denkenden Südtirol muss die Erhaltung und die wirtschaftlich sowie sozial vertretbare Nutzung strategischer Ressourcen ein permanentes Anliegen bleiben.

2012 - Südtiroler Volkspartei
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