Italiens Regierung am Scheideweg - Nationalismus gegen Toleranz und Achtung der Kultur
Mit ihrer kompromisslosen Haltung in der Frage der Südtiroler Wegweiser-Bezeichnungen lädt die italienische Regierung eine schwere Verantwortung auf sich. „Wenn sie nicht in der Lage ist, wie es scheint, zwischen dem noch immer weit verbreiteten Nationalismus und der Toleranz gegenüber ethnischen Minderheiten und der Achtung ihrer Kultur den Weg des Kompromisses und der Verständigung zu wählen, legt sie eine schwere Hypothek auf jede zukünftige Entwicklung der Südtirolfrage“, erklärt der Abgeordnete Georg Pardeller.
„Die Südtirolerinnen und Südtiroler haben immer gezeigt, dass sie die Zweisprachigkeit, wie sie vom Autonomiestatut vorgesehen ist, respektieren. Aber eines ist die Zweisprachigkeit, etwas anderes ist die Zweinamigkeit. Die Zweinamigkeit der Mikrotoponomastik ist unannehmbar, sie ist die Folge reiner Tolomeischer Willkür. Für Südtirol kann nur die Einnamigkeit Gültigkeit haben.
Italiens Regierung steht am Scheideweg. Die nationalistischen und postfaschistischen Kräfte in der gegenwärtigen Regierungskoalition haben das Klima des Zusammenlebens in Südtirol, das in den voran gegangenen Jahrzehnten mühsam, aber mit gegenseitigem guten Willen, aufgebaut worden ist, schwer belastet. Im Besonderen die Abgeordnete Biancofiore trägt schwere Verantwortung für die Verschlechterung des Klimas. Ihre Hetze in Bozen und in Rom stellt eine dauernde Belastung für alle drei Sprachgruppen dar, deren Mehrheit sicherlich einer ausgewogenen Lösung des Ortsnamenproblems gewogen ist.
Italiens Regierung übersieht möglicherweise, dass ihre Haltung die extremen Positionen auf beiden Seiten nur verschlimmert, und dass die Befürworter der Selbstbestimmung unter den derzeitigen Gegebenheiten Aufwind erfahren, weil der Eindruck entstanden ist, dass Rom das Wesen Südtirols, die Rechte der Minderheiten und ihre Zukunftsentwicklung sowie europäisches und globales Menschenrecht noch immer nicht politisch zu erkennen und durchzusetzen vermögen.“ Es sei schwer zu bedauern, dass im Besonderen die Arbeiterschaft, die sprachgruppenübergreifend gemeinsame Vorstellungen entwickelt hat, Gefahr laufe, in den Sog von altem und neuem Nationalismus zu gelangen und den ethnischen sowie den sozialen Frieden zu gefährden.



