IT | EN | Ladin
Georg Pardeller
Georg Pardeller
05.08.10 - Betriebsansiedlungen müssen entbürokratisiert werden
Georg Pardeller: Keine Wirtschaft ohne Arbeiterschaft

In letzter Zeit mehren sich die Äußerungen von Unzufriedenheit seitens einzelner Unternehmen im Land, welche in ihren Expansionsplänen behindert werden und sich daher gezwungen sehen, entweder ihre Pläne zurück zu stecken, oder an Abwanderung bzw. Verlegung ihrer Produktionsstätten zu denken. 
Die Südtiroler Arbeiterschaft ist schon längst unzufrieden, nicht nur über die hier angesprochenen Umstände, sondern weil die Wirtschaft – gemeint sind die Unternehmen – fast immer nur von sich selbst reden und dabei außer Acht lassen, dass Wirtschaft ohne Arbeiterschaft nicht existieren kann. Es hat den Eindruck, dass die Wirtschaft in dieser Krisensituation wiederum in erster Linie darauf aus ist, aus den öffentlichen Mitteln Beiträge für die eigenen Initiativen zu erhalten, ohne dabei zu sagen, was im Falle solcher Finanzierungen dann für die Arbeiterschaft, also für die soziale Komponente unserer Gesellschaft heraus kommt. Als ob es diese gar nicht gäbe.
Jeder angedrohte Abzugsplan eines örtlichen Unternehmens bedeutet für die örtliche Arbeitsmarktlage eine Bedrohung und eine zusätzliche Sorge. Daher ist es dringend geboten, dass die zuständigen Verantwortungsträger sich mit der Sachlage auseinandersetzen und versuchen, die notwendigen Entscheidungen zu treffen. Diese Entscheidungen betreffen die Unternehmen gleich wie die Arbeiterschaft. Während Unternehmen laufend ortsungebundener agieren, ist dies für die einzelne Arbeitskraft schwer denkbar. Daher sind letztlich immer die Arbeitnehmer die Leidtragenden von negativen Entwicklungen dieser Art.
Es ist eine Tatsache, dass in Südtirol die Vorgaben für Betriebsansiedlungen und Betriebserweiterungen nicht günstig sind, wenn man von der reinen Beitragspolitik absieht. Das Gewerbebauland ist im Vergleich zu benachbarten Regionen im Süden und im Norden sehr knapp und unvergleichlich teurer (bis zu zehn mal teurer als andernorts); Knappheit und Nachfrage haben zu unzulässiger Spekulation geführt; die Bürokratie in Südtirol ist, vergleichen mit derjenigen benachbarter Gebiete, weiterhin sehr langwierig und umständlich; was andernorts Monate dauert, dauert in Südtirol oft Jahre, so dass die Geduld von Unternehmen, die einen Betrieb eröffnen oder erweitern wollen, auf eine sehr harte Probe gestellt wird. Ein weiterer negativer Punkt ist die wenig koordinierte und gezielte Zusammenarbeit von Unternehmen, Arbeitsmarktreservoir und Bildungseinrichtungen. Es gibt in dieser Hinsicht im Aus- und Fortbildungsbereich bis hinauf auf die höchste Bildungsebene (Universität) zu viel Eigenbrötelei und zu wenig Bereitschaft zum Netzwerk.
Wenn man das eine mit dem anderen summiert, ergeben sich für die Volkswirtschaft Südtirols sehr große und besorgniserregende Probleme. Und wie immer in solchen Fällen, ist die Arbeiterschaft die erste, die darunter leidet, und diejenige, die sich am wenigsten gegen solche Entwicklungen wehren kann. Unsere Familien wollen Perspektiven haben und nicht mit leeren Worten abgespeist werden. Hier muss ein Umdenken erfolgen, sonst wird Südtirol aus der Krise nicht so schnell herauskommen und die Chancen verspielen, die benachbarte Gebiete mit viel mehr Sinn für Nachhaltigkeit wahrzunehmen wissen.



2012 - Südtiroler Volkspartei
YouTUBEFaceBook